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Goldsteig Etappe 9 – von Mauth nach Grainet/Haidmühle

Wandermässig war das jetzt ein sehr durchschnittlicher Tag. Viel Wald, viele Wolken, viel Wind, wenig Aussicht, einfach etwas eintönig. Aber interessant war’s trotzdem. Wir nehmen am Morgen direkt beim Hotel den Regionalbus, drinnen sitzt eine Gruppe Bayern, alle in schönster Tracht, nicht im billigen Abklatsch, den man bei uns sieht, beim regen Gespräch, bei dem wir nur wenig mitbekommen. Aber schön tönt es. In Mauth wird der Bus mitten auf der Strasse angehalten, denn genau jetzt kommt von links her die Fronleichnams-Prozession. Vorneweg die Dorfmusik, dann die Gläubigen, der Priester mit der Monstranz unter dem Stoffbaldachin, hinterher der Rest der Gemeinde. Weil der Regionalbus mit einer halbdurchsichtigen Werbefolie beklebt ist, verzichten wir auf das Fotografieren.

Beim Café Beer steigen wir aus und wandern los. Auch heute viel Totholz. Dieser Goldsteig ist einfach schlecht gewartet 😉

So kommt man nicht richtig vorwärts

Unter dem Alzenberg kommt es zum ersten Tageshöhepunkt: Wir sind die ganze Vorderseite der zum Leporello gefalteten Wanderkarte abmarschiert, an der Kante angelangt und …

Vorderseite: erledigt

… wenden die Karte!

Ab sofort wandern wir auf der Rückseite

Kurz danach unterqueren wir einen Sessellift des Skigebiets am Almberg. Hier ist alles menschenleer, die Gasthöfe geschlossen, etwas trostlos das Ganze.

Sessellift am Almberg

Der bedeckte Himmel trägt auch nicht zur Stimmungsaufhellung bei, wobei, wir sind froh um die kühle Luft, denn auch hier wird es ab morgen richtig heiss.

Wir wandern talwärts nach Philippsreut, sind uns nicht einig, ob das noch als Kaff oder schon als Ort gelten soll, und steigen auf der anderen Seite gleich wieder hoch, wo unser Elan aber vom lokalen Forstamt gebremst wird. Weil Sonntag ist, umgehen wir Tafel und Bäume und kommen alsbald auf einer Hochebene auf rund 1100 Metern Höhe an, wo uns die Wanderkarte auf die „Wüstung Leopoldsreut“ hinweist.

Umleitung? Sicher nicht.

Hier erinnern einige sehr eindrückliche Tafeln entlang der Waldstrasse an das vor gut 50 Jahren aufgegebene Dorf Leopoldsreut, wo die Leute unter unsäglichen Entbehrungen lebten. Dass es hier auch im Juni zuweilen noch schneite, können wir uns heute überhaupt nicht vorstellen. „Neun Monate Winter und drei Monate kalt“, lesen wir auf einer Tafel. Alle Häuser wurden abgebrochen, und der Wald hat fast alle Spuren getilgt. Wir sind beeindruckt.

Beim ehemaligen Leopoldsreut, im Hintergrund die Informationstafeln

Zum Haidel ist es nur noch einen Katzensprung. Wieder führt der Weg schnurgerade hoch.

Himmelsleiter zum Haidel

Die Karte weist auf gleich zwei Türme hin, den der Deutschen Telekom und den Aussichtsturm Haidel. Den lassen wir uns nicht entgehen, obwohl das Wetter gerade jetzt denkbar schlecht ist; es beginnt zu regnen, Nebel zieht auf und der Wind bläst ordentlich durch Holzkonstruktion. Nach 159 Stufen ist es nicht weit her mit der Aussicht, wir sind froh, dass wir am Horizont knapp den Rachel erkennen.

Keine Aussicht; der Henkeltopf links ist Brige

Also schnell wieder runter. Das Schlussstück führt uns nach Hobelsberg in der Gemeinde Grainet. Dort werden wir extra vom Hotelbus abgeholt, und der tschechische Hausmeister, Chauffeur, Mädchen für alles, unterhält uns bestens auf dem Weg nach Haidmühle. Die fünfzehnminütige Fahrt führt durch eine wunderbare Gegend, wo der Tourismus allerdings seine besten Tage gesehen hat. Viele Hotels und Pensionen hätten Mühe Gäste zu finden, viel stehe leer oder werde umgenutzt, erfahren wir.

Jetzt entspannen wir im heutigen Wellness-Hotel und überlegen uns, ob wir uns eher die „Ziegenbuttercrèmepackung“, die „Schröpfmassage“ oder doch die „Ohrkerzenbehandlung“ leisten sollen. Ah, hier, das ist es: „Anti-Aging für die Beine“!

Meine tollen Ortsnamen heute:
– Hohenröhren
– Hinter-, Mitter- und Vorderfirmiansreut
– Branntweinhäuser

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