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Heute erwartet uns die Königsetappe des Goldsteigs, es geht auf das Dach der Tour; die Etappe ist auch bekannt als die Acht-Tausender-Tour

Heute wird die Luft dünn. Brige vorn, Christof hinten (keuchend)

… und zwar, weil heute achtmal Berge erklommen werden, die alle über 1’000 Meter hoch sind! Ich wollte ja schon immer hoch hinaus und heute komme ich voll auf die Kosten!

Der Aufstieg von Eck zu den ersten beiden Gipfeln gestaltet sich angenehm, der Weg steigt stetig, aber nicht allzu steil, das Wetter ist sonnig, mit Wolken durchzogen, die Gräser glitzern ncoh von der Nässe gestern.

Mühlriegel, der erste Tausender

Ödriegel, der zweite Tausender

Aber jetzt wird es richtig ruppig, steil und anspruchsvoll. Wir kommen nur langsam vorwärts im wurzeligen und felsigen Gelände, man muss bei jedem Tritt aufpassen, dafür werden wir oben mit Fernsicht auf beide Seiten belohnt. Auch heute sind wir alleine unterwegs.

Brige blickt a) ins Land und b) in die Kamera

Blick vom Schwarzeck-Kreuz, dem vierten Tausender

In stetem Auf und Ab folgt der Weg dem Kamm Richtung Südosten, die Gegend ist absolut fantastisch, es sieht aus wie im Märchenland.

Im Märchenland

Langsam macht sich der Hunger bemerkbar, also suchen wir auf dem Heugstatt etwas abseits einen schönen Platz, wo wir entspannt unsere Eingeklemmten verzehren wollen. Ausgerechnet jetzt haben die zwei einzigen anderen Menschen hier oben, die wie aus dem Nichts auftauchen, genau die gleiche Idee und besetzen eine Sekunde vor uns den besten Platz, diese hundsfottigen Saubratzen diese!

Beim Heugstatt, dem fünften Tausender wird verpflegt

Beim Enzian, dem drittletzten Gipfel, sieht man die Spuren des sauren Regens und der schweren Stürme der vergangenen Jahre, hier ist die Landschaft ziemlich leergeräumt und der Blick geht ungehindert in alle Richtungen.

Blick zurück vom Enzian, dem sechsten Tausender

Langsam kommen wir in touristisch stärker genutzte Gebiete; auf dem Gipfel des Kleinen Arbers drängen sich Wanderer, Kinder, Hunde, Biere werden geöffnet, ein Läufer keucht hoch mit Spuckfäden in alle Richtungen. Es ist eine Freude!

Hochbetrieb auf dem Kleinen Arber, dem siebten Tausender. Briges Hut unten links (angeschnitten)

Das Streckenprofil des heutigen Tages ist heimtückisch, jeder Gipfel ist ewas höher, und immer geht es zwischendurch ordentlich runter.

Schlussaufstieg zum Grossen Arber

Mir kommt der Fachbegriff zu diesem Phänomen, wie markant alleine ein Gipfel steht, unterwegs einfach nicht in den Sinn, erst im Hotel stosse ich beim Recherchieren wieder auf die Schartenhöhe.

Wir fluchen auf die Schartenhöhe und erklimmen den letzten Gipfel, den Grossen Arber und sind ordentlich geschafft, stehen aber zufrieden auf dem höchsten Punkt unserer diesjährigen Tour.

Ganz oben auf dem Dach der Welt, ähh dem Bayerischen Wald. Grosser Arber, der achte Tausender

Die Tagesetappe endet hier. Wir nehmen die Gondelbahn talwärts und dann den Bus Richtung Bayerisch Eisenstadt, wo wir uns in der Pension Sonneneck bei der Familie Pöschl einquartieren. Im Ort gibt’s wohl nur zwei Familien: Pöschl und Zitzelsberger. Also besuchen wir das Café und die Drogerie Zitzelsberger und essen später im Gasthof Pöschl. Gut ist’s an beiden Orten!

Amtliches Anschlagbrett in Bayerisch Eisenstein. Irgendwie beruhigend: Die Probleme sind überall dieselben.

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Irgendwann in den frühen Morgenstunden weckt mich ein gewaltiger Donnerknall, die angedrohte Gewitterfront ist also eingetroffen. Als wir kurz nach neun Uhr losmarschieren, hat es aufgehört zu regnen und der Boden trocknet schon wieder. Es ist angenehm kühl, ein Genuss nach der drückenden Hitze der beiden letzten Tage. Wir laufen zurück zum Goldsteig und überqueren bald einen kleinen Fluss mit dem hübschen Namen «Weisser Regen».

Christof stürmt den Kaitersberg

Dann geht es wieder in den Wald und bergauf. Der nächtliche Regen zeigt bereits Wirkung, frische Pilze stossen durch den Boden, man kann ihnen fast beim Wachsen zusehen. Der Weg auf den Kaitersberg ist zum Glück nicht so steil wie der gestern auf den Burgstall, aber der Pfad wird steinig und bald tauchen steile Felswände im Wald auf, an denen sich Kletterer üben.

Die Räuber-Heigl-Höhle ist unbewohnt, hier versteckte sich einst der örtliche Robin Hood. Oben angekommen, lassen wir es uns nicht nehmen, zum 999 Meter hohen Kreuzfelsen hochzusteigen (eine fast alpine Kraxelei), wo uns trotz Wolken eine tolle Aussicht erwartet. Perfekt für eine erste Rast!

Die Aussicht vom Kreuzfelsen 999 m.ü.M.

Der Goldsteig führt weiter auf dem Kamm durch eine Waldlandschaft mit einzelnen Felsgruppen. Immer wieder haben wir eine tolle Aussicht ins Zeller Tal im Süden. Trotz des eher trüben Wetters sind recht viele Wanderer unterwegs.

Typische Kammlandschaft mit Brige

Es ist ein stetiges Auf und Ab, und nach der Kötztinger Hütte, in der ordentlich Betrieb herrscht, wird der Steig recht anspruchsvoll. Wir befinden uns nun im «Steinbühler Gesenk» und nehmen den schwierigen Weg durch die Rauchröhren. Meinen die meine Socken? Nein, zwei über 30 Meter hohe Felstürme, in deren Nähe die Menschen während des Dreissigjährigen Krieges Schutz suchten.

Der Steig durch die Rauchröhren

Nun geht es wieder bergab Richtung Eck, vorbei am grossen Riedelstein, wo leider kein hübscher Rastplatz vorhanden ist. Also setzen wir uns wenig später auf einen umgestürzten Buchenstamm, um unseren Hunger und Durst zu stillen. Kaum haben wir ins Sandwich gebissen, fängt es tatsächlich an zu regnen! Also Schirm auspacken, alles regensicher verstauen, schnell fertig essen und die letzten zwei Kilometer zum Berggasthof Eck marschieren. Der Regen wird immer heftiger, aber bald sitzen wir im Trockenen bei Kaffee und Kuchen.

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Wir werden früh wach und sind bereits um 07:00 im Frühstücksraum. Acht Tische sind aufgedeckt, sechs davon bereits benutzt und verlassen. Und wir dachten, wir seien Frühaufsteher. Dafür spielen wir jetzt unsere mehrjährige Weitwandererfahrung aus: Das Richtige am Büffet für das Frühstück aussuchen, zwei Sandwiches richten, das geht aus einer Hand.

Kurz nach acht Uhr starten wir bei bedecktem Himmel und immer noch schwülen Verhältnissen, ein Gewitter letzte Nacht hätte gut getan. Wir verlassen Furth im Wald, passieren die Sportanlagen in der Wutzmühle, wo wir auf deutsch und tschechisch die aktive Fussarbeit repetieren …

Sehr wichtig beim Wandern!

… und wo der Fussballclub Furth im Wald in zwei Wochen sein 100-Jahr-Jubiläum feiern wird.

Wir sind praktisch alleine unterwegs, dann und wann kreuzen wir Hündeler auf ihren Morgenrunden. Die Hunde sehen dabei deutlich frischer aus als ihre Halterinnen und Halter.

Die Route ist gut ausgeschildert, wir kommen zügig vorwärts, nur mit dem vielgelobten Möblierung werden wir nicht richtig warm. Wo bleiben die Rastbänke, wenn man pausieren möchte? Also setzen wir uns auf einen Baumstrunk und trinken, denn bald wird es aufwärts gehen. Innert Kürze entdecken Ameisen meinen Rucksack und marschieren schnurstracks hinein. Nun denn, dann wandern sie halt mit, wenn’s weiter geht.

Wir sind ja heute Morgen bei km 195 des Goldsteigs eingestiegen, die ganzen „Flachetappen“ ab Marktredwitz bis Furth im Wald schenkten wir uns. Das merken wir jetzt, denn der erste richtige Aufstieg auf den Burgstall hat es in sich. Auf kürzester Strecke führt der verblockte Weg mehr oder weniger direkt in der Fallinie von 600 auf fast 1000 Meter hoch; mir tropft der Schweiss aus dem Gesicht, auch die Arme sind nass und zu allem Elend geraten wir mehrmals in dichte Schwärme mit feinsten durchsichtigen Fliegen oder Mücken, die an uns gleich kleben bleiben.

Oben tragen wir uns im Gipfelbuch ein, geniessen die Aussicht auf den Drachensee, aufs weite Land und auf die Antenne des Bayerischen Rundfunks.

Beste Grüsse aus Brugg!

Blick auf den Drachensee

Blick ins bayerische Land

Ränne um d’Antänne

Brige halluziniert von riesigen Gläsern mit Apfelschorle, leider ist die erste Raststätte auf der heutigen Tagesroute geschlossen und die zweite, die kurz danach folgt, dermassen unattraktiv, dass wir weiterwandern und uns bei der Seelenbrunnen-Hütte selbst verpflegen.

Der Abstieg führt noch durch Wald, schon jetzt merken wir, wie es immer heisser wird. Als wir den Wald verlassen, brennt es unbarmherzig vom Himmel. Aber schön ist es hier!

Schön. Und schön katholisch.

Unsere Unterkünfte liegen nicht immer direkt am Goldsteig. Deshalb verlassen wir die gelb markierte Route und wandern noch 2 Kilometer zum Weiler Thening, …

Auf dem Weg zur Pension

… wo wir in der schmucken Pension Weiss von Frau Weiss herzlich in Empfang genommen werden. Auf dem Kurzrundgang durch die Pension zeigt sie uns auch den grossen Kühlschrank und die Harassen gleich daneben. Hier muss niemand verdursten. Ich greife gleich zu beim lokalen Bier. Prost!

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Viele Stunden im Zug liegen vor uns, deshalb geht es schon kurz nach sechs Uhr in Brugg los. Dafür wartet in Zürich eine schöne Überraschung: Die Fahrt nach München dürfen wir im Panoramawagen geniessen! Dies ist das erste Mal, dass uns der Weg in die «deutschen» Wanderferien nicht über Basel führt. Die Fahrt bei prächtigem Wetter zum Bodensee und durch das Allgäu nach München ist eine schöne und willkommene Abwechslung, zudem wird in Lindau die Lok von Strom auf Diesel gewechselt. Im Zug ist es allerding etwas unruhig, die Passagiere schwatzen und pilgern in einer Aufregung umher, dass ich mich frage, ob Vollmond ist (ist nicht).

Nach einer kurzen Verpflegungspause in München – es ist inzwischen Mittag geworden – folgt die zweite Etappe in einem Zug, der mehrere Kategorien weniger komfortabel ist: Ein ziemlich alter Alex erwartet uns, immerhin mit mässig gut klimatisierten Erstklass-Abteilen. Dort sind wir zwar für uns, aber draussen lärmen pausenlos Kinder. Dieser Zug hat es in sich, denn wer nicht im richtigen Zugsteil sitzt, endet am falschen Ort. Drum wird es in Schwandorf ernst: drei Wagen fahren weiter nach Hof und vier Wagen via Furth im Wald nach Prag. Wir sitzen zum Glück im richtigen, sprich im tschechischen Zugsteil und werden von der schwülen Wärme langsam teigig im Kopf. Unterwegs entdecken wir modernste Züge der Oberpfälzer Dampfnudelbahn, wie wir die Oberpfalzbahn nennen. Wir würden gerne tauschen.

Kurz vor vier Uhr kommen wir endlich in Furth an. Das Hotel liegt praktischerweise dem Bahnhof genau gegenüber. Wir gehen ins Städtchen, das ganz hübsch ist, jedoch leider nicht verkehrsfrei. Es ist drückend heiss, es könnte nachts ein Gewitter geben. Wir befinden uns alles andere als am Startort des Goldsteigs, finden aber trotzdem eine Informationstafel. Auch die Route haben wir entdeckt, so dass wir morgen direkt loswandern könnnen. Wir freuen uns!

Brige in Furth im Wald

Dies wird übrigens eine Jubiläumswanderung, die zehnte Fernwanderung in Deutschland! Wir repetieren kurz: Fischland-Darss-Zingst, Rheinburgenweg, Malerweg, Westerwaldsteig, Saar-Hunsrück-Steig, Schluchtensteig, Hochrhöner, Neckarsteig, Hermannsweg. Der Name Goldsteig passt also hervorragend!

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Goldsteig – Tag 0

Wir freuen uns sehr auf unsere kommende Weitwanderung:

Ab dem 15. Juni sind wir unterwegs auf der Nordroute des Goldsteigs!

Wir starten in Furth im Wald, dann folgen 14 Etappen mit insgesamt rund 230 Kilometern und 8’000 Höhenmetern, und am 28. Juni kommen wir verschwitzt in Passau an.

Wir werden wenn möglich täglich hier berichten, wie es uns ergeht, und einige Fotos veröffentlichen.

Ich darf nicht mit, ich bin nur ein Testbild.

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Hermannsweg – die Fotos

Und wiederum haben wir grossartige Wandertage in Deutschland verbracht: Diesmal im Teutoburger Wald, der zum grossen Teil aus drei parallelen Kämmen mit diversen Einschnitten besteht. Der nördliche Kamm ist aus Muschelkalk, der mittlere (der Hauptkamm) aus Sandstein und der südliche aus Kalkstein. Auf den Kalksteinkämmen sah es ein bisschen aus wie bei uns im Jurapark, deshalb gefiel und der Sandsteinrücken am besten. Dort fanden wir Birken, Eichen und Föhren sowie Heidelbeeren und Wacholder im Gegensatz zu den von Buchen geprägten Kalksteinwäldern mit dem ewigen Springkraut. Hier ist nun das Fotoalbum zu finden:

https://photos.app.goo.gl/pqYZTE7cz8yBx8jV8

An den Unterkünften gab es diesmal nichts auszusetzen, abgesehen davon, dass sie teilweise bis zu zwei Kilometer vom Hermannsweg entfernt lagen. So kamen wir während unserer acht Wandertage auf 175 gegangene Kilometer. Gegessen haben wir auch gut, teilweise sehr gut. Das Wetter hätte besser sein dürfen, sprich sonniger und wärmer, aber viel Regen hatten wir zum Glück nicht. Zum Wandern war die Temperatur, die nur an zwei Tagen über 20 Grad stieg, eigentlich ganz angenehm. Am letzten Wandertag wurde es strahlend schön, und wir hatten grosse Lust, gleich noch den Eggeweg anzuhängen, der an den Hermannsweg anschliesst. Tja, das nächste Mal …

Hermänner oder Weicheier?

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Noch bevor wir uns am Frühstücksbuffet die Bäuche vollschlagen, bestellen wir an der Rezeption des Hotels ein Taxi, das uns später zum Bahnhof fahren soll. Das ist gar nicht so einfach. Vier Telefonate sind nötig, bis die hilfsbereite Angestellte eines auftreiben kann. «Sonst muss ich in Detmold anrufen, dann müssen Sie auch die Anfahrt bezahlen», droht sie nach der dritten Absage. Glück gehabt.

Zwei Minuten vor neun fährt ein blitzblanker Skoda vor mit einer ausgesprochen freundlichen Fahrerin. «Nein nein, das Auto hat schon über 100’000 Kilometer, aber die Gäste sollen sich ja wohlfühlen, deshalb wird der Wagen gut gepflegt», erklärt sie auf Christofs Frage, ob das Taxi neu sei. Wirklich, man traut sich kaum, etwas anzufassen.

Am Bahnhof Horn – Bad Meinberg

Die Rückreise verläuft reibungslos. Wir steigen um in Altenbeken und anschliessend in Kassel-Wilhelmshöhe. Von dort bringt uns der ICE bis nach Basel. Je weiter wir südlich kommen, um so dichter werden die Wolken. Irgendwie reisen die immer mit uns. Von Basel nach Brugg sitzen wir in einem Uralt-Wagen der SBB und fühlen uns wie auf der Schulreise. In Rheinfelden steht ein tadellos herausgeputzter Roter Pfeil (inklusive Tischtüchern und Apérogläsern) abfahrbereit auf dem Nebengleis. Da erwägen wir kurz umzusteigen.

Nun geniessen wir zu Hause den grossen Fernseher mit dem scharfen Bild für die restlichen Spiele der Fussball-Weltmeisterschaft.

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