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Hui, wie um halb sieben der Regen prasselt und der Wind bläst! Das Regenradar meint, um neun werde es besser, und tatsächlich können wir trockenen Fusses losmarschieren – bis kurz nach Tecklenburg. Dann heisst es: Regenschirme aus dem Sack und Sack in die Regenhülle! Gute anderthalb Stunden marschieren wir im Regen, dann werden die Schauer kürzer und die Regenpausen länger. Ibbenbüren, das gleich um die Ecke liegt, sei der Schüttstein Nordrhein-Westfalens, zitiert Christof aus den Westfälischen Nachrichten, die er beim Frühstück gelesen hat, und meint, ich solle nicht immer die regenreichen Gegenden für die Wanderferien aussuchen (wie zum Beispiel den Südschwarzwald).

Der Weg führt uns heute abwechslungsweise durch üppige Kalbskuchenwälder, äh nein, Kalkbuchenwälder und den gewohnten, eher kargen und lichten Wald auf Sandstein. Wir wandern häufig auf dem Kamm, wie der Deutsche den Grat nennt, aber die Bäume verdecken meist die Aussicht. Um so mehr geniessen wir die Blicke auf beide Seiten, wenn sie sich öffnen. Imposant sind die zahlreichen Kalksteinbrüche, die den Wegrand säumen: viele sind stillgelegt und unter Naturschutz, aber einige sind noch in Betrieb, einer davon so gross, dass wir ihm rund zwei Kilometer auf der Abbruchkante folgen. Aus dem schönsten alten Steinbruch ist ein Canyon mit türkisfarbenem Wasser geworden, aber leider führt der Hermannsweg so weit daran vorbei, dass wir nur einen einzigen Blick darauf werfen können.

Die Schirme werden heute nie ganz trocken.

Die meisten Pausen verbringen wir in Schutzhütten, da der Wald ständig nachtröpfelt und die Bänke nass sind. In einer grossen treffen wir auf einen Wanderer, der in der Hütte übernachtet hat. Den ganzen Morgen hat er dort darauf gewartet, dass der Regen aufhört. In den Regenpausen scheint oft die Sonne, und dann dampft der Wald wie in einem Geisterfilm.

Eines der 118 Apfelbäumchen

Bad Iburg ist wieder ein hübscher Etappenort. Ein imposantes Schloss aus dem 11. Jahrhundert thront über der Stadt, und der Schlossberg wurde für die momentan stattfindende Landesgartenschau besonders schön hergerichtet mit Pomarium (118 Apfelbäume mit alten Sorten) und Knopfgarten (Blumenrabatten in Ornamentform).

Das ist ein Knopfgarten.

Und unser Hotelzimmer hat die allerlustigste Bettanordnung: längs an der Wand hintereinander stehen die beiden Betten. Wir werden heute schlafen wie die Prozessionsspinnerraupen.

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Ich habe mich schon flotter aus dem Bett erhoben als heute Morgen. Die erste Etappe gestern war 28 Kilometer lang und das spüre ich jetzt. Aber das Frühstück von Frau Enseler in der Pension Am Herrmann bringt die Lebensgeister zurück. Wir unterhalten uns mit der Gastgeberin sehr angeregt über das Wandern, das Leben in der Schweiz und in Deutschland. Enselers betreiben zwei Gästezimmer, die mehrheitlich von Wanderern und Radfahrern genutzt werden. Sie gibt uns noch den Rat mit, wir sollten dann in Tecklenburg unbedingt die Konditorei Rabbel besuchen und dort etwas bestellen, das wir noch nicht kennen würden.

Wir warten ab, bis der Regenschauer nachlässt und wandern beim bewölktem Himmel los. Im Dorf überqueren wir den Dortmund-Ems-Kanal und steigen hoch zum Hermannsweg, der auf dem Kamm Richtung Osten führt. Nach etwa einer Stunde stossen wir im Brumleytal auf einen Friedhof mit deutschen Kriegsgefallenen, die in einer der allerletzten Schlachten des zweiten Weltkriegs im April 1945 ihr Leben liessen.

Gefallenenfriedhof im Brumleytal

Gefallenenfriedhof im Brumleytal

Die Gedenktafel enthält erschütternde Zitate von Soldaten. Nachdenklich wandern wir weiter.

Es wird kühler, statt wärmer, der Wind frischt auf, das Tief Bigi macht sich bemerkbar. Zum Glück ist es trocken. Wir gelangen zur Bruder-Klaus-Kapelle, die tatsächlich unserem Niklaus von Flüe gewidmet ist. Das nahegelegene Gasthaus hat leider noch nicht offen, so wird das zur grossen Enttäuschung Briges noch nichts mit stärkendem Kaffee. Dafür erheben sich jetzt rechterhand markante Sandsteingebilde, wir sind bei den Dörenther Klippen angelangt. Die bekannteste Formation hier ist das «Hockende Weib».

Gefährlich? Ach was.

Gefährlich? Ach was.

Die Warntafel kann uns nicht wirklich zurückhalten, rund um das Weib zu spazieren.

Hockendes Weib

Hockendes Weib

Hockendes Weib und stehender Autor des heutigen Beitrags

Hockendes Weib und stehender Autor des heutigen Beitrags

Auf der Talseite öffnet sich der Blick in die Ferne.

Aussicht

Aussicht

Gleich neben dem Hockenden Weib liegt tatsächlich eine Almhütte, die vielen Gästen Platz böte, hätte sie denn offen. Wir sind zu Briges Entsetzen aber eine halbe Stunde zu früh hier, also auch hier keinen Kaffee. Auf dem Weg kommt uns ein 4×4-Pick-Up entgegen, der Almhüttenwirt winkt aus dem offenen Fenster und schmettert uns ein «Morgen!» entgegen.

Der Wind wird jetzt immer stärker, es rauscht im Wald und dunkle Wolken jagen über den Himmel. Was wir gefürchtet haben, tritt ein. Es beginnt zu regnen und zwar nicht zu knapp. Glücklicherweise gelangen wir gerade zu einem Unterstand, wo wir uns am Schermen stärken und warten, bis das Gröbste vorbei ist. Dann geht es runter ins Tal zum alten Brochterbecker Bahnhof und gleich wieder hoch auf den Grat, der hier Kamm heisst. Der Weg führt auf einer Höhe von gut 180 M.ü.M. direkt zum Bismarckturm, von dem man eine phantastische Aussicht hätte, aber alles ist abgeschlossen. «Ein klassischer Sch….turm», meint deshalb Brige und ich kann ihr nur beipflichten.

Bismarckturm

Bismarckturm

Unser heutiges Hotel liegt direkt neben dem Turm, und unser Zimmer bietet das, was uns der Turm verwehrte, eine tolle Aussicht!

Blick aus dem Hotelzimmer

Blick aus dem Hotelzimmer (ein Klick auf das Bild zeigt das ganze Panorama)

Wir machen uns frisch und erkunden Tecklenburg, ein verwinkeltes Städtchen mit vielen Fachwerkhäusern. Am Marktplatz stossen wir auf die Konditorei Rabbel und genehmigen uns etwas, was wir noch nicht kennen: ein Stück Flockensahnetorte (Christof) und Schlesische Mohntorte (Brige).

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Schönes und heisses Sommerwetter ist heute angesagt, aber als wir aufstehen, sehen wir nur Wolken. Voller Zuversicht wählen wir trotzdem das Sommertenue. Als wir fertig gefrühstückt haben und unsere am Vorabend bestellten Lunchpakete beziehen wollen, wissen die Wirtin und die Serviererin von nichts. Also setzen wir uns nochmals hin und schmieren selbst die Brötchen. Währenddessen lässt die ostdeutsche Angestellte eine politische Tirade vom Stapel, die sich gewaschen hat: von der Datenschutz-Grundverordnung über die «bratzenblöde Merkel» bis zur fehlenden Obergrenze bei den Flüchtlingen und überhaupt, man wähne sich bald wieder in der DDR.

Nun wandern wir los, den Emsauen entlang. Rheine lassen wir schnell hinter uns. Bevor wir das erste Mal einen der alten Wälder mit vielen Föhren und Eichen durchqueren, werden wir von einem netten Herrn vor «diesen Spinnen» gewarnt. Wir sollen den Wald besser umgehen. Er meint die Eichenprozessionsspinner, die offenbar hier ein echtes Problem darstellen. Wir stossen unterwegs immer wieder auf Schilder, die vor den Raupen und deren Nestern warnen. Wir stossen aber den ganzen Tag auf keinen einzigen Prozessionsspinner. Dafür sehen wir andere Tiere: einen Storch, zwei Hasen, mehrere Eichhörnchen und Unmengen an winzigen Fröschen auf dem Waldweg. Wir müssen richtig aufpassen, dass wir keinen zertreten.

Im «Wilden Weddenfeld» (bewaldetes Binnendünengebiet)

Bevor wir Bevergern erreichen, wandern wir durch endlose Felder mit Mais und Getreide, vorbei an riesigen Landwirtschaftsbetrieben. Ein paar Mal stinkt es schrecklich nach Schweinezucht. Irgendwo müssen ja die zahllosen Schnitzel produziert werden, welche die Deutschen vertilgen. Entlang der Bevergerner Aa, einem trüben Wassergraben, gelangen wir schliesslich in den hübschen Ortskern von Bevergern mit seinen Kanälen und der idyllischen Altstadt. Inzwischen ist es schön und heiss geworden, und wir gönnen uns eine Eiskaffeepause.

Getreidefelder ohne Ende

Als nächste Attraktion folgt das «Nasse Dreieck», eine Schleusenanlage des Dortmund-Ems-Kanals. Und dann sind wir endlich im Teutoburger Wald. Hier fängt der Hermannsweg eigentlich erst richtig an. Tatsächlich geht es nun das erste Mal bergauf, und wir erreichen einen ersten Aussichtspunkt auf 134 Metern über Meer, der tatsächlich eine grandiose Aussicht auf das flache Münsterland mit den unzähligen Windrädern bietet.

Flach, flacher, Münsterland

Nun verlassen wir den Hermannsweg und steigen ab nach Riesenbeck, wo wir im Gästehaus der Familie Enseling eines der beiden grosszügigen Zimmer beziehen. Abends sitzen wir im Biergarten eines Restaurants und können kaum glauben, dass Tief Bigi und Randtief Cathy uns ab morgen schlechtes Wetter bringen sollen.

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Hermannsweg, Anreise Brugg – Rheine

Die Zugfahrt nach Rheine dauert etwas länger. Weil ein kurzer Streckenabschnitt nur einspurig befahrbar ist, handeln wir uns eine Verspätung von einer halben Stunde ein. Obwohl der ICE dann längere Zeit mit 300 km/h durch die Gegend braust, verpassen wir in Köln den Anschlusszug. Macht nichts, dafür reisen wir ohne weiteres Umsteigen zum Startort. Im Hotel werden wir schwanzwedelnd vom stattlichen, aber verschmusten Besitzerhund begrüsst und fühlen uns gleich herzlich willkommen.

Später schlendern wir durch die hübsche Innenstadt und suchen die Starttafel zum Hermannsweg. Ah ja, hier ist sie:

Hier startet der offizielle Hermannsweg

Am offiziellen Start zum Hermannsweg

Brige macht sich mit der Streckenführung vertraut und wundert sich über die kommenden Anstiege.

Beim Routenstudium

Beim Routenstudium

Das wollen Berge sein? Nun gut, Rheine liegt auf 27 M.ü.M., da wird jeder Anstieg zum Berg.
Endlich geht es los, wir freuen uns auf Morgen!

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Hermannsweg

Ab Mittwoch wandern wir im Teutoburger Wald: 156 Kilometer Hermannsweg warten auf uns!

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Hochrhöner – die Fotos

Das war eine grandiose Wanderung! Die Gegend gefiel uns sehr, die Wege und die Beschilderung waren tadellos und Wetterglück hatten wir auch. Die Hotels waren nicht alle so toll, aber man muss wahrscheinlich froh sein, wenn man in den kleinen Ortschaften überhaupt eine Übernachtungsmöglichkeit findet. Und beim Essen darf man dann auch nicht zu anspruchsvoll sein.

Hier ist nun das ganze Fotoalbum vom Hochrhöner:
https://photos.app.goo.gl/LXhW9PaamZDMPYJk2

Anschliessend verbrachten wir vier Tage in Kassel, wo wir vor allem die documenta 14 besuchten. Obschon die Ausstellung etwas moralinsauer und belehrend daherkam und mit schwurbeligen Texten nicht zurückhielt (siehe Beispiel Lois Weinberger bei den Fotos), haben wir viele tolle Kunstwerke gesehen. Ein prächtiger Abschluss des Aufenthalts in Kassel war der Besuch der Wilhelmshöhe.

Und hier sind die Fotos aus Kassel:
https://photos.app.goo.gl/dDkaFI1hoz1Hy3DA3

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Und schon erwartet uns die letzte Etappe des Hochrhöners. In der Nacht hat es geregnet, und am Morgen ist der Himmel bedeckt. Das Wetter soll aber im Lauf des Tages immer besser werden, so dass ich sogar Sonnencrème einstreiche. Wir hieven unsere Koffer vom hübschen, aber heissen Dachzimmer im dritten Stock hinunter und machen uns auf den Weg.

Die Bernshäuser Kutte

Zuerst geht es zur Bernshäuser Kutte. Das ist ein 45m tiefer, kreisrunder Erdfallweiher. Da wir heute früh dran sind, umrunden wir den kleinen See, bevor wir auf dem Hochrhöner weiterwandern.

Mein Tagesziel ist, unterwegs einen Cappuccino zu trinken, was wir bis anhin nicht geschafft haben. Entweder kam gar keine Verpflegungsmöglichkeit, wir fanden sie trotz Beschilderung nicht, sie war zu oder sie kam zur falschen Zeit. Christof entdeckt auf der Karte den Pless, einen Berg mit Aussichtsturm und Restauration, der bald folgt. Schwitzend steigen wir hoch und freuen uns auf die Aussicht und die Pause. Oben gibt es Holzzäune wie im Wilden Westen, um die Pferde anzubinden, Veloständer, viele Bänke, eine Hütte. Sie ist geschlossen, ebenso der Aussichtsturm. „Nur am Wochenende geöffnet“, bescheidet uns ein einsamer Wanderer, der sich um zehn Uhr morgens Pils und Stumpen genehmigt. Logisch. Wir trinken etwas und essen einen Müsliriegel.

So, ab jetzt geht es nur noch bergab. Im Wald marschieren wir durch ein langes, langes Tal entlang des Polsambaches. Es ist total schön und wir kommen schnell vorwärts, aber die Wolken werden anstatt immer weniger immer mehr. Und die Bremsen werden langsam wieder unerträglich. Dann fängt es tatsächlich an zu regnen, aber wir haben ja Rucksackhüllen und unsere tollen Mont-Bell-Regenschirme dabei. Nach fünf Minuten hört es wieder auf und wir schauen uns nach einem Rastplatz um. Weit und breit keine Schutzhütte, aber eine Bank finden wir. Die ist natürlich nass, aber wir haben ja Sitzkissen. Wir sprühen uns mit Antibrumm ein und wollen uns verpflegen, da kommen zwei Mountainbiker und fragen uns nach dem Weg zum Schönsee. Christof kann ihnen tatsächlich mit Hilfe unserer Wanderkarte weiterhelfen. Wir fangen an zu essen und sehen eine dicke schwarze Wolke auf uns zukommen, die nichts besseres zu tun hat, als über uns ihr Wasser auszuschütten. Wir hocken unter unseren Schirmen auf dieser Bank im Wald und essen Sandwiches, es ist enorm ungemütlich! Also laufen wir weiter durch den Regen. Es ist unglaublich, aber die Bremsen kommen durch den strömenden Regen unter unsere Schirme geflogen und sind extrem aufsässig.

Im Tal des Polsambaches

Wir erreichen Langenfeld und der Regen hört auf. Hier könnten wir für die letzten vier Kilometer den Bus nehmen, aber wir wir beschliessen zu laufen. Die Sonne kommt zum Vorschein und alles trocknet wieder. Es geht nun über Felder, und wir sehen Bad Salzungen bereits. Wir durchqueren ein riesiges Areal mit Schrebergärten und kommen an einem Fischteich eines Anglervereins vorbei. Es ist selbstverständlich strengstens verboten, irgendetwas zu betreten. Vergeblich halten wir Ausschau nach einer Bank, um den Rest unseres Proviantes zu essen. Schon haben wir den Rand von Bad Salzungen erreicht, wo der Hochrhöner offiziell endet. Das waren tolle 141 Kilometer! In einem der grosszügigen Bushäuschen verdrücken wir unser letztes Sandwich. Fünfzehn waren das in den letzten acht Tagen.

Das Ende des Hochrhöners

In Bad Salzungen gibt es auch einen Erdfallsee, den Burgsee, zudem einen hübschen Kurpark mit zwei Gradierwerken, durch welche die Besucher in weissen Kutten wandeln. Wir sind eher an Kaffee und Eis interessiert, denn die Sonne brennt wieder heiss vom Himmel. Nach dem Abendessen umrunden wir den Burgsee und beenden den Tag, wie er angefangen hat. Der Weg um diesen Erdfallsee ist aber bedeutend komfortabler.

Am Burgsee in Bad Salzungen

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