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Hochrhöner – die Fotos

Das war eine grandiose Wanderung! Die Gegend gefiel uns sehr, die Wege und die Beschilderung waren tadellos und Wetterglück hatten wir auch. Die Hotels waren nicht alle so toll, aber man muss wahrscheinlich froh sein, wenn man in den kleinen Ortschaften überhaupt eine Übernachtungsmöglichkeit findet. Und beim Essen darf man dann auch nicht zu anspruchsvoll sein.

Hier ist nun das ganze Fotoalbum vom Hochrhöner:
https://photos.app.goo.gl/LXhW9PaamZDMPYJk2

Anschliessend verbrachten wir vier Tage in Kassel, wo wir vor allem die documenta 14 besuchten. Obschon die Ausstellung etwas moralinsauer und belehrend daherkam und mit schwurbeligen Texten nicht zurückhielt (siehe Beispiel Lois Weinberger bei den Fotos), haben wir viele tolle Kunstwerke gesehen. Ein prächtiger Abschluss des Aufenthalts in Kassel war der Besuch der Wilhelmshöhe.

Und hier sind die Fotos aus Kassel:
https://photos.app.goo.gl/dDkaFI1hoz1Hy3DA3

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Und schon erwartet uns die letzte Etappe des Hochrhöners. In der Nacht hat es geregnet, und am Morgen ist der Himmel bedeckt. Das Wetter soll aber im Lauf des Tages immer besser werden, so dass ich sogar Sonnencrème einstreiche. Wir hieven unsere Koffer vom hübschen, aber heissen Dachzimmer im dritten Stock hinunter und machen uns auf den Weg.

Die Bernshäuser Kutte

Zuerst geht es zur Bernshäuser Kutte. Das ist ein 45m tiefer, kreisrunder Erdfallweiher. Da wir heute früh dran sind, umrunden wir den kleinen See, bevor wir auf dem Hochrhöner weiterwandern.

Mein Tagesziel ist, unterwegs einen Cappuccino zu trinken, was wir bis anhin nicht geschafft haben. Entweder kam gar keine Verpflegungsmöglichkeit, wir fanden sie trotz Beschilderung nicht, sie war zu oder sie kam zur falschen Zeit. Christof entdeckt auf der Karte den Pless, einen Berg mit Aussichtsturm und Restauration, der bald folgt. Schwitzend steigen wir hoch und freuen uns auf die Aussicht und die Pause. Oben gibt es Holzzäune wie im Wilden Westen, um die Pferde anzubinden, Veloständer, viele Bänke, eine Hütte. Sie ist geschlossen, ebenso der Aussichtsturm. „Nur am Wochenende geöffnet“, bescheidet uns ein einsamer Wanderer, der sich um zehn Uhr morgens Pils und Stumpen genehmigt. Logisch. Wir trinken etwas und essen einen Müsliriegel.

So, ab jetzt geht es nur noch bergab. Im Wald marschieren wir durch ein langes, langes Tal entlang des Polsambaches. Es ist total schön und wir kommen schnell vorwärts, aber die Wolken werden anstatt immer weniger immer mehr. Und die Bremsen werden langsam wieder unerträglich. Dann fängt es tatsächlich an zu regnen, aber wir haben ja Rucksackhüllen und unsere tollen Mont-Bell-Regenschirme dabei. Nach fünf Minuten hört es wieder auf und wir schauen uns nach einem Rastplatz um. Weit und breit keine Schutzhütte, aber eine Bank finden wir. Die ist natürlich nass, aber wir haben ja Sitzkissen. Wir sprühen uns mit Antibrumm ein und wollen uns verpflegen, da kommen zwei Mountainbiker und fragen uns nach dem Weg zum Schönsee. Christof kann ihnen tatsächlich mit Hilfe unserer Wanderkarte weiterhelfen. Wir fangen an zu essen und sehen eine dicke schwarze Wolke auf uns zukommen, die nichts besseres zu tun hat, als über uns ihr Wasser auszuschütten. Wir hocken unter unseren Schirmen auf dieser Bank im Wald und essen Sandwiches, es ist enorm ungemütlich! Also laufen wir weiter durch den Regen. Es ist unglaublich, aber die Bremsen kommen durch den strömenden Regen unter unsere Schirme geflogen und sind extrem aufsässig.

Im Tal des Polsambaches

Wir erreichen Langenfeld und der Regen hört auf. Hier könnten wir für die letzten vier Kilometer den Bus nehmen, aber wir wir beschliessen zu laufen. Die Sonne kommt zum Vorschein und alles trocknet wieder. Es geht nun über Felder, und wir sehen Bad Salzungen bereits. Wir durchqueren ein riesiges Areal mit Schrebergärten und kommen an einem Fischteich eines Anglervereins vorbei. Es ist selbstverständlich strengstens verboten, irgendetwas zu betreten. Vergeblich halten wir Ausschau nach einer Bank, um den Rest unseres Proviantes zu essen. Schon haben wir den Rand von Bad Salzungen erreicht, wo der Hochrhöner offiziell endet. Das waren tolle 141 Kilometer! In einem der grosszügigen Bushäuschen verdrücken wir unser letztes Sandwich. Fünfzehn waren das in den letzten acht Tagen.

Das Ende des Hochrhöners

In Bad Salzungen gibt es auch einen Erdfallsee, den Burgsee, zudem einen hübschen Kurpark mit zwei Gradierwerken, durch welche die Besucher in weissen Kutten wandeln. Wir sind eher an Kaffee und Eis interessiert, denn die Sonne brennt wieder heiss vom Himmel. Nach dem Abendessen umrunden wir den Burgsee und beenden den Tag, wie er angefangen hat. Der Weg um diesen Erdfallsee ist aber bedeutend komfortabler.

Am Burgsee in Bad Salzungen

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Hochrhöner Tag 8 – von Dermbach nach Bernshausen

Ich werde vom prasselnden Regen und vom Verkehrslärm wach und blicke auf die Uhr: 05:30 Uhr. Ahh, herrlich, weiterschlafen. Vermutlich kommt heute das Regenzeug zum Zug, denke ich noch, dann umfangen mich Morpheus’ Arme wieder.

Zwei Stunden später hat das Prasseln praktisch aufgehört, aber der Himmel ist stark bewölkt und es sieht immer noch sehr regnerisch aus. Wir warten zusammen mit dem Wirt auf die Brötchen, frühstücken, richten uns ein Sandwich, packen und ziehen los. Kurz darauf stossen wir auf eine Herde Rhönschafe. Die genügsamen Tiere geben sich mit dem ab, was hier auf den mageren Wiesen wächst.

Endlich: das Rhönschaf!

Endlich: das Rhönschaf!

Die erste Steigung führt durch ein Waldstück, in dem im 18. Jahrhundert der Rhönpaulus gehaust hat. Der Rhönpaulus ist die Thüringer Variante des Robin Hood – Deserteur, mittellos, bestahl die reichen Bauern, um nicht zu verhungern und gab Diebesgut Bedürftigen weiter. Wir fragen uns kurz, ob wir uns zum hölzernen Rhönpaulus setzen sollen.

Der Rhönpaulus.

Der Rhönpaulus.

Das Waldstück ist aber auch aus einem anderen Grund besonders, hier stösst man auf 800-jährige Eiben, die angeblich von den Nonnen des Klosters Zilla über Jahrhunderte gehegt wurden. Dieser «Ibengarten» ist heute ein Naturschutzgebiet und die Förster wollen den Bestand wieder vergrössern. Die dunklen, knorrigen, kleineren Bäume inmitten der Buchen haben etwas Mythisches.

Uralte Eiben.

Uralte Eiben.

Der Hochrhöner führt anschliessend am Weiler Wiesenthal vorbei, wo uns eine Hinweistafel auf den Dorfladen mit Café zu einem Abstecher bewegt. Allerdings finden wir weder Dorfladen noch Café, dafür die «Gaststätte Schmalz», hier kehren wir nicht ein, dieser Namen schlägt uns in die Flucht. Ein trostloser Ort, dünkt es uns. Nicht einmal rauchen darf man hier …

Aha.

Aha.

Die Wolken werden dunkler, Wind kommt auf und es beginnt, leicht zu nieseln. Wir erreichen gerade noch rechtzeitig einen Unterstand, als der Regen einsetzt. Doch man sieht bereits jetzt schon Lücken in der Bewölkung, also verzehren wir seelenruhig unsere Sandwiches und warten etwas ab. Und wirklich, der Regen hört schnell wieder auf und wir marschieren weiter.

Blick vom Horn ins Tal.

Blick vom Horn ins Tal.

Kurz vor dem Etappenort Bernshausen gelangen wir zur sogenannten Bernshäuser Kutte, einem kreisrunden Seelein von rund 250 Meter Durchmesser, das mit 47 Meter Tiefe, das dritttiefste Gewässer in Deutschland ist.

Wir beziehen unser Zimmer im Gasthof «Zur Grünen Kutte», machen grosse Wäsche und lassen es uns gut gehen.

Enger Wäscheservice .

Enger Wäscheservice .

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Hochrhöner Tag 7 – von Tann nach Dermbach

Die Wetterprognose hat mich angelogen. Sie hat Kappenwetter vorausgesagt (viele Wolken), dabei ist Hutwetter (sehr viel Sonne). Diese fake news machen einfach vor gar nichts halt. Ich muss den Schirm meiner Kappe ständig ausrichten, damit ich mir Hals und Ohren nicht verbrenne. Mein Wanderhut mit der breiten Krempe ist leider im Koffer.

Und heute wandern wir durch besonders viel offenes Gelände. Gleich zu Beginn geht es von Tann bergauf, vorbei an einem alten Judenfriedhof und an der Apfelweinstube Dietgeshof. Dann befinden wir uns auf einer riesigen Hochebene und wandern teilweise mitten durch die Felder. Ein Bauer ist gerade daran, sein trockenes Gras mit einer Maschine aufzusammeln, welche die zylinderförmigen Heuballen direkt hinten auswirft.

Da gabs früher kein Durchkommen

Nun erreichen wir die Grenze von Hessen nach Thüringen, das früher zur DDR gehörte. Ein Grenzstein und eine Tafel erinnern daran. Ausserdem laufen wir sicher zwanzig Meter auf dem Grünen Band. Das ist das Gebiet entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, das als geschützter Grüngürtel erhalten werden soll. Da möchte ich auch einmal wandern! Später sehen wir zwei alte Türme, von denen aus die Grenze überwacht wurde.

Zum Glück ausser Betrieb, der Wachturm

Auch heute sind die Bremsen wieder auffallend lästig, und nachdem mich die dritte gestochen hat, sprühen wir uns mit Antibrumm ein, noch vor der ersten Rast. An einer Kreuzung finden wir ein Schattenplätzchen und stärken uns, während wir zusehen, wie ein Vater mit seiner Tochter Autofahrtraining macht. Eine Mountainbikerin macht ebenfalls Pause und fragt uns, ob wir zum Gläserberg wandern. Tun wir. Schön sei das. In der Tat. Auch die heutige Etappe ist grandios und bietet besonders viel Aussicht. Wir erkennen Wasserkuppe und Milseburg und blicken auf unsere gelaufenen Kilometer zurück.

Dermbacher Hütte auf dem Gläserberg

Der Gläserberg ist nicht mehr weit, aber der Aufstieg ist enorm schweisstreibend. Oben ist es absolut genial: Man sieht in alle Richtungen, und es gibt eine Bergbeiz, die Dermbacher Hütte. Sie hat ordentlich Gäste, die lauthals über Politik diskutieren. Das hören wir durch die offenen Fenster, während wir im Schatten hinter der Hütte rasten.

Abstieg vom Gläserberg

Nun folgt die Schlussetappe: der Abstieg nach Dermbach, unter anderem durch einen Wald mit vielen mächtigen Buchen. In Dermbach erwartet uns ein grosses Hotelzimmer mit drei Betten, gutem Internet und Sky TV, so dass wir die Königsetappe der Tour de France in HD-Qualität geniessen können. Das Abendessen genehmigen wir uns im nahegelegenen Viersternhotel, wo wir gefragt werden, ob wir mit Beatrice Egli verwandt seien.

Nun sind wir gespannt, ob die angekündigten Gewitter heute Nacht eintreffen und uns den morgigen Tag verderben werden.

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Hochrhöner Tag 6 – von Schwarzbach nach Tann

Skandal! Der Himmel ist leicht bewölkt! Das passt zur Stimmung in der Gaststube unserer Unterkunft. Wir fühlten uns gestern schon nicht richtig wohl und heute ist es genauso. Wir sind drei Parteien beim Frühstück: ein anderes Paar, das ebenfalls den Hochrhöner wandert, die beiden begleiten uns schon längere Zeit. Ich habe die beiden noch nie normal laut sprechen oder gar lachen gehört. Gut, der Hochrhöner ist auch eine ernste Sache. Am anderen Tisch sitzen drei Frauen, zwei fühlen sich wohl ähnlich unwohl wie wir, sie flüstern nämlich miteinander, was zur Folge hat, dass alle anderen die Ohren spitzen, vielleicht sprechen sie ja über uns.

Das Wirtepaar hat irgendwie den falschen Beruf gewählt, so etwas von unorganisiert haben wir noch selten gesehen. Für jedes Dingens, das sie bringen müssen, laufen sie einzeln. Und sie müssen einiges bringen… Dafür schmiert uns die Wirtin die Stullen höchstpersönlich, auch gut!

Wie immer starten wir um 9 Uhr. Dank der leichten Bewölkung ist es nicht so heiss, aber drückend schwül.

Bewölkt!

Bewölkt!

Wir schwitzen bald wieder wie die Rennpferde. In Gotthards stossen wir wieder auf die Karawane mit den Oldtimern; die alten Mercedes sehen schön aus und stinken auch ordentlich. In Gotthards führt eine Brücke über die Nüst, ein kleines Flüsschen, eher ein Bächlein. Neben der Brücke findet sich diese Hinweistafel — ich bin grosser Fan deutscher Hinweistafeln:

Die Diensttreppe.

Die Diensttreppe. Vier Tritte bis zum Bächlein.

Kurz vor der ersten Getränkerast lässt sich Brige leicht zurückfallen. Dafür kommt sie mit einem Arm voller Blumen und einem strahlenden Lächeln. Mir schwant Schlimmes. Richtig, «Was blüht denn da?» wird gezückt und wir bestimmen: die gewöhnliche Wegwarte, bei der sich zu Briges grösstem Erstaunen die Blüten bereits mittags schliessen, den gewöhnlichen Wirbeldost, den kleinen Odermennig und das Jakobs-Greiskraut.

Die weitere Wanderung gestaltet sich unspektakulär schön, der Blick in die offenen Fernen macht auch heute Freude und heute ist es noch einsamer als gestern. Stellenweise führt der Weg hart entlang der Grenze zu Thüringen und wir kommen an einem Abzweiger vorbei, von wo ein Weg zur 18 km entfernten Gedenkstätte Point Alpha führt, wo die deutsch-deutsche Geschichte vor dem Mauerfall präsentiert wird.

Nicht mehr weit.

Nicht mehr weit.

Die zweite grössere Pause machen wir auf dem Habelstein, einem ausgesetzten Felssporn, wo man in die Ferne oder auch auf die 200 Meter tiefer liegenden Weiler gucken kann.

Endstation ist heute in Tann, einem hübschen Städtchen, wo gerade eine Hochzeit im Gange ist, als wir eintreffen. Männer in dunklen Anzügen und Krawatten bei gut 28°C; ich bin froh um die kurzen Wanderhosen. Den Zvieri geniessen wir in einem lauschigen Café in einem musealen Hinterhof. Anschliessend geht’s zu EDEKA, wir brauchen neues Reisewaschmittel, die alte Tube war so alt, dass sie bei der ersten Benutzung zersplittert ist.

Weil ich im Moment keine Schnitzel mehr sehen kann, essen wir heute beim Italiener. Eine gute, nein, eine sehr gute Wahl! Wir werden fürstlich bekocht und am Schluss vom Italiener persönlich über dessen Lebensweg informiert. Ein rundum gelungener Abend.

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Gestern Abend gab es ein Gewitter. Gerade als wir unser Abendessen verspiesen hatten, fielen die ersten Tropfen, und das Servierpersonal scheuchte die wenigen Gäste, die draussen sassen, ins Haus. Man fürchtete um die riesigen Sonnenschirme, die scheint’s pro Stück 6’000 Euro kosten. Während der ganzen Nacht regnet es immer wieder, aber am Morgen werden die Wolken von einem kräftigen Wind vertrieben. Dieser fast stürmische Wind begleitet uns den ganzen Tag, aber wir sind froh darum, denn auch heute brennt die Sonne wieder intensiv vom blauen Himmel.

Milseburg

Von der Wasserkuppe geht es steil hinab Richtung Abtsroda. Der Weg ist nass und ziemlich rutschig, aber die Ausblicke wieder prächtig. Später erreichen wir die Enzianhütte, die den Namen Hütte nicht verdient, so riesig ist das Haus. Leider sieht es nicht so aus, als würden wir einen Kaffee bekommen, ein Mann ist damit beschäftigt, die Sonnenterrasse für die Gäste herzurichten. Also marschieren wir weiter Richtung Milseburg. Das ist ein richtig felsiger Hügel mit einem zerklüfteten Gipfel. Wir steigen ganz hoch zu den drei Kreuzen und werden vom Wind fast fortgeweht. Eine Bergbeiz hat es auch, aber da riecht es bereits nach Suppe und Würstchen, es ist schliesslich schon nach elf.

Auf dem Milseburger Gipfel

Also marschieren wir weiter durch die malerische Landschaft mit Hügeln, Feldern, Wiesen, Wald und winzigen Dörfern. Im Naturschutzgebiet „Oberbernhardser Höhe“ rasten wir kurz. Eigentlich möchten wir länger Pause machen, aber die Bank steht voll an der Sonne, so dass wir einen Sonnenbrand befürchten. Wenig später folgt ein Landgasthof, das Lothar-Mai-Haus, an schönster Lage, aber Kaffeezeit ist jetzt gerade nicht so kurz vor eins.

Später durchqueren wir Langendorf, auch so ein Kaff Minidorf, das immerhin über einen Gasthof verfügt. Inzwischen ist es richtig heiss geworden. Sobald wir am Windschatten in der Sonne laufen müssen, schiesst uns der Schweiss aus allen Poren. Aber endlich finden wir eine Bank im Schatten einer kleinen Esche, wo wir in Ruhe den Rest unseres Proviantes verzehren können. Im Wald, den wir anschliessend durchqueren, entdecken wir mehrere gigantische Ameisenhaufen. Christof muss als Massstab daneben stehen für das Foto, bis die Ameisen ihn in die Waden zwicken. Kurze Zeit später werden wir von Schwärmen von Bremsen attackiert, die so aggressiv sind, dass wir uns stehenden Fusses mit Antibrumm einsprühen müssen.

Was für ein Ameisenhaufen!

Nun ist es aber nicht mehr weit bis Schwarzbach, wo unser Hotel sogar über einen Minibiergarten verfügt. Und feinen Kuchen haben sie auch (Stachelbeer). Und einen Fernseher in der Gaststube, auf dem wir den Schluss der Tour-de-France-Etappe verfolgen können. Das war heute unsere Königsetappe: 22 Kilometer lang und einfach grandios.

Die Rhön: Land der offenen Fernen

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Der Start in den Wandertag hat es in sich, wir bringen auf den ersten zwei Kilometern praktisch die gesamte Höhendifferenz der Tagesetappe hinter beziehungsweise eher unter uns. Wir wandern entlang der Grenze zwischen Bayern und Hessen, was man auch mähtechnisch sofort erkennt.

Links: Bayern; rechts: Hessen.

Links: Bayern; rechts: Hessen.

Schon um zehn Uhr am Morgen ist es ordentlich heiss; so kommen wir schweissüberströmt auf dem Himmeldunkelberg auf 888 Metern über Meer an. Der Ausblick ist wiederum phantastisch, allerdings ist es heute ziemlich dunstig.
Vermutlich vor lauter Erschöpfung marschieren wir auf völlig falschem Weg talwärts. Irgendwann trauen wir dem Weg nicht mehr über den Weg und stechen seitwärts über frische Heumaden Richtung Wald. Dort finden wir auch keinen Weg, also zurück auf den falschen Weg und mutig weiter talwärts, schliesslich stimmt die grobe Richtung. Wenig später stossen wir sozusagen als Entschädigung auf die schöne Bergbundhütte der Würzburger Alpinisten e.V. und wir können wieder auf den «Hochrhöner» einfädeln.

Würzburger Bergbundhütte

Würzburger Bergbundhütte

Mittlerweile sind wir in Hessen unterwegs, was wir aber ohne Tafel nicht bemerkt hätten

Fulda, in Hessen.

Fulda, in Hessen.

Langsam steigt die Vorfreude; schliesslich gelangen wir in wenigen Kilometern zum Roten Moor, einem der Höhepunkte auf der Wanderung: «Eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der hessischen Rhön und ein Muss für Naturliebhaber ist das Rote Moor, das auf einem 1,3 km langen Bohlenpfad begangen werden kann.» Schon jetzt säumen geflecktes Knabenkraut, Schachtelhalme, Mädesüss, Wiesenlabkraut, Engelswurz und viele Pflanzen den Wanderweg. Der Pfad durch’s Moor ist allerdings sterbenslangweilig. Links und rechts wachsen Krüppelbirken, am Boden wächst irgendein Heidekraut, kein einziges Blümchen können wir ausmachen, und auch die Tierwelt hält sich mehr als bedeckt. Also weiter.
Wir passieren die mit Stein eingefasste Quelle der Fulda, an der wir kurz zuvor, noch unwissend, was das wohl für ein Bächlein ist, gerastet haben. Jetzt geht es parallel zur Strasse hoch zur Wasserkuppe, der höchsten Erhebung unserer Wanderung. Hier herrscht ordentlicher Betrieb, zum Ausflugsziel auf Hessens höchstem Berg gehört ein grosser Segelflugplatz mit zugehörigem Museum, eine ausrangierte Radarstation, ein Seilpark für die Kinder und eine Sommerrodelbahn. Und unser Hotel. Brige ist begeistert, dass wir im «Deutschen Flieger» logieren und dass wir direkt vom WC aus die startenden Segelflugzeuge sehen.

Flugplatz Wasserkuppe.

Flugplatz Wasserkuppe.

Nach dem obligaten Kaffee mit Kuchen besichtigen wir die verschiedenen Ramschläden, die den Ausflüglern tolle T-Shirt, Caps und wahnsinnig originelle Email-Schilder andrehen. Wir haben Glück, genau heute führt die ADAC Classic Rallye hier über die Passtrasse sozusagen vor unserem Hotel vorbei und wir sichten einige wunderbare Oldtimer. Schräg von unten dröhnt Popmusik vom Wurststand zu unserem Hotelzimmer. Wie gesagt, ordentlicher Betrieb hier. Ein ziemliches Kontrastprogramm, nachdem wir drei Tage mehr oder weniger mutterseelenalleine unterwegs waren.

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