Ferdinand Hodler in der Fondation Beyeler, diese Ausstellung nutzen wir für einen Familienausflug nach Basel. Mit Eltern, Bruder und Schwägerin machen wir uns schon vor neun Uhr auf den Weg, damit wir zu den ersten Besuchern des Tages gehören, denn – wie vermutet – der Andrang ist gross. Die Ausstellung zeigt das Spätwerk von Hodler: Selbstporträts, Landschaften (vor allem Genfersee und Alpen) und Frauen. Die Ausstellung ist eindrücklich und gefällt uns sehr gut.
Die Dents du Midi von Caux aus (1917) (Quelle: Wikimedia Commons)
So viele Bilder anschauen gibt natürlich Hunger. Zum Glück steht nur wenige Gehminuten von der Fondation entfernt das Restaurant Wiesengarten, wo Christof acht Plätze reserviert hat. Unterwegs treffen wir «zufälligerweise» auf Schwester und Superschwager, die sich das feine Mittagessen nicht entgehen lassen wollen. Wir schlemmen tüchtig, schliesslich haben wir zwei Geburtstage nachzufeiern. Von meinem Platz aus habe ich nicht nur beste Sicht auf die fröhlichen Jubilare, sondern auch auf die Schätze des Wiesengartens … ein schöner Anblick!
Wahrscheinlich hätte ich diese Ausstellung verpasst, denn Chagall gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsmalern. Christofs Firma hat aber zu einer Führung eingeladen, und da wollen wir dann doch dabei sein. Und grundsätzlich interessiert mich ja alles, was mit Kunst zu tun hat.
Die Führung ist denn auch wirklich gut; immer wieder verkmüpft die Kunsthistorikerin die Werke Chagalls mit dem damaligen Zeitgeist und anderen Künstlern. Christof und ich amüsieren uns darüber, dass Chagall und Kasimir Malewitsch sich gar nicht verstanden – Malewitsch fand Chagalls Bilder zu figürlich. Ansonsten gefallen uns die Werke von Moische Schagalow, wie Chagall eigentlich heisst, nach dem Besuch der Ausstellung auch nicht viel besser.
Diesen Begriff kenne ich ja aus der Buchhaltung, aber darum geht es heute zum Glück nicht. Das Aargauer Kunsthaus zeigt die «stillen Reserven» der Schweizer Malerei aus den Jahren 1850 bis 1950, genau gesagt über 300 Bilder aus der privaten Sammlung von Peter Suter und der Sammlung des Kunsthauses selbst. Neben zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern, die uns unbekannt sind, sind auch namhafte Maler wie Ferdinand Hodler, Giovanni Giacometti und Arnold Böcklin vertreten. Auch ein Stäbli ist vorhanden!
Theo Modespacher (1897-1955), Goldfische
Die Ausstellung ist hervorragend. Die Bilder sind nach Thema gruppiert; so kommen zuerst Selbstporträts, dann Bäume, Häuser, Landschaften, Stillleben und Genremalerei, so dass man die Werke gut miteinander vergleichen kann. Die Bilder der unbekannten Künstlerinnen und Künstler sind nicht nur herzerfrischend, weil man sie noch nie gesehen hat, häufig sind sie einfach saugut. Die Werke der «Stars» sind dazwischengestreut, so dass man auch diese plötzlich aus einem neuen Blickwinkel betrachtet. Ich kann die Ausstellung nur empfehlen; uns hat sie den verregneten Karfreitag entschieden verschönert!
Bevor wir uns heute ins Schauspielhaus begeben, besuchen wir wieder einmal ein für uns neues Restaurant: das Bona Dea im Hauptbahnhof. Dort gibt es ein vegetarisches Buffet im asiatischen Stil, das uns ausgezeichnet mundet. Und nicht nur das: Gerade haben sie auch Bündner Spezialitäten im Angebot. Hätte Christof es mir nicht verboten, ich hätte meinen Teller mit Capuns und Pizokel gefüllt anstatt mit Kochbananen und Flügelbohnen.
Anschliessend steht der Menschenfeind von Molière auf dem Programm. Molière ist immer gut, und das Thema ist ein Dauerbrenner:
Falsche Anteilnahme, geheuchelte Gefühle, gelogenes Lob – der Menschenfeind Alceste hasst die Umgangsformen der oberen Zehntausend, denen er angehört. Indem er nur noch sagt und tut, was schonungslos der Wahrheit dient, macht er sich fortan unbeliebt bei Freund und Feind. Molières Komödie von 1666 stellt die philosophisch zeitlose Frage, ob die Lüge nicht auch wesenhafter und vitaler Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens sei.
Die schnörkellose Inszenierung von Barbara Frey gefällt uns sehr: Die wunderbaren Reime und die grossartigen Schauspieler kommen bestens zur Geltung. Nach zwei Stunden verlassen wir das Theater erfüllt und gut gelaunt. So muss es sein.
Der neue Film von Quentin Tarantino ist – obwohl ein Italowestern – keine leichte Kost. Das soll er auch nicht sein, es geht darin schliesslich um die Sklaverei in den Südstaaten von Amerika. Die Geschichte dreht sich um den schwarzen Django, der sich zusammen mit Dr. King Schultz, einem deutschen Kopfgeldjäger, aufmacht, seine Frau zu befreien und an den Sklavenhändlern Rache zu nehmen. Es gibt jede Menge an witzigen Wortwechseln, und es fliesst übermässig viel Blut, so wie man es sich von Tarantino gewohnt ist. Und obwohl das unselige N*-Wort unzählige Male fällt, wird die Unterdrückung der schwarzen Sklaven mit einer eigenwilligen Behutsamkeit dargestellt, die in mir nie das Gefühl auslöste, sie seien vom Regisseur missbraucht worden. Zum Beispiel wird Gewalt an ihnen nur spärlich bebildert, und gerade das geht unter die Haut. Ausserdem gelingt es Tarantino, mit Aberwitz jegliche Grundlage von Rassismus und Bigotterie ad absurdum zu führen, so dass auch der Hinterste und Letzte begreifen sollte, wie ignorant jede Form von Diskriminierung ist. Dass es Kinobesucher gab, die während Szenen lachten, die so überhaupt gar nicht lustig waren, hat mich um so mehr schockiert.
Ich fand den Film grossartig – ich gebe die volle Punktzahl, das kommt selten genug vor! ******
Ich als grosser Fan der Verfilmung von «Lord of the Rings» muss natürlich auch The Hobbit sehen, die Vorgeschichte zum Ring-Epos. Das heisst, auch aus dem Hobbit hat Regisseur Peter Jackson eine Trilogie gemacht, und die «unerwartete Reise» ist der erste Teil. Ich kann sogar Christof, seines Zeichens gar kein Fantasy-Fan, überreden, ins Kino mitzukommmen. 169 Minuten dauert das Spektakel; deshalb stärken wir uns zuvor beim chinesischen Thailänder im Badener Langhaus. Dann marschieren wir ins Trafo. Wir haben uns übrigens für 120 Quadratmeter Leinwand und gegen 3D entschieden. Nun, was soll ich sagen? Der Film ist gut, aber nicht so gut wie «Herr der Ringe».
Der Hobbit fängt recht gemächlich an, gewinnt aber rasant an Fahrt, sobald die Zwergenbande mit Zauberer Gandalf und Hobbit Bilbo unterwegs ist. Zuweilen erinnert mich der Film an ein Computerspiel (wobei ich überhaupt keine «Gamerin» bin, das also gar nicht beurteilen kann): Es gibt viele Verfolgungsjagden und Schlachten, und die Umgebung ist selten natürliche Landschaft, sondern meistens Trick. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es manchmal vor allem um den (3D-)Effekt geht. Das finde ich etwas schade, gefiel mir doch bei «Herr der Ringe» der Drehort Neuseeland ganz besonders.
Aber der Film ist äusserst unterhaltsam: Spannung, Witz und Humor kommen nicht zu kurz. Allein die Szene mit den Trollen ist zum Totlachen. Besonders gut gefallen mir auch der Auftritt von Galadriel (Cate Blanchett) in Rivendell sowie die Szene, als sich Bilbo und Gollum mit Rätseln um den Ring duellieren. Überhaupt gibt Martin Freeman einen vortrefflichen Bilbo, finde ich. Weniger begeistert bin ich vom Darsteller des Zwergenkönigs Thorin Oakenshield (Richard Armitage), der guckt immer gleich (blöd). Alle Schauspieler, die schon in der Ring-Trilogie mitgemacht haben, sind hingegen toll.
Die 169 Minuten vergehen wie im Flug, sogar Christof gefällt der Film, und wir freuen uns schon auf den zweiten Teil, der ja bereits fertig ist und Ende Jahr in die Kinos kommen soll.
Heute habe ich bereits das erste Geburtstagsgeschenk aufgebraucht. Wir marschieren nämlich am Nachmittag zum Kulturhaus Odeon hinüber, um uns den Schweizer Dokumentarfilm More than Honey anzusehen. Markus Imhoof erzählt in sehr schönen Bildern Geschichten rund um die Honigbiene und geht dem weltweiten Bienensterben nach.
Ernüchtert stellt man fest, wie sehr der Honig und auch die Bienen selbst zum Industrieprodukt geworden sind. So werden in den USA während der Frühlingsblüte Bienenstöcke haufenweise durch das ganze Land gekarrt, um riesige Plantagen mit Monokulturen zu bestäuben. Oder man sieht, wie Züchterinnen in Österreich Bienenköniginnen produzieren, um sie zu verkaufen. Das Geschäft blüht, denn weltweit geht es den Bienen schlecht. Imhoof dokumentiert die verschiedenen Krankheiten (und erwähnt auch Pflanzenschutzmittel), welche ganze Bienenvölker dahinraffen. Auf die Ursachen des Bienensterbens könnte er aber vermehrt eingehen, finde ich. Überhaupt hätte ich gerne noch etwas mehr wissenschaftliche Informationen erhalten.
Am besten gefallen hat mir der Imker in Arizona, der sich auf die Afrikanisierte Honigbiene spezialisiert hat, die als Killerbiene verteufelt wird. Sie ist ziemlich wild und sehr robust und liefert ihm grosse Mengen ausgezeichneten Honig. Er muss mit diesen Völkern einfach vorsichtiger umgehen als mit den europäischen Bienen.
Der Film hat mich zwar nicht restlos begeistert, aber sehenswert ist er allemal. Und Christof ist auch nicht eingeschlafen.