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Hochrhöner Tag 6 – von Schwarzbach nach Tann

Skandal! Der Himmel ist leicht bewölkt! Das passt zur Stimmung in der Gaststube unserer Unterkunft. Wir fühlten uns gestern schon nicht richtig wohl und heute ist es genauso. Wir sind drei Parteien beim Frühstück: ein anderes Paar, das ebenfalls den Hochrhöner wandert, die beiden begleiten uns schon längere Zeit. Ich habe die beiden noch nie normal laut sprechen oder gar lachen gehört. Gut, der Hochrhöner ist auch eine ernste Sache. Am anderen Tisch sitzen drei Frauen, zwei fühlen sich wohl ähnlich unwohl wie wir, sie flüstern nämlich miteinander, was zur Folge hat, dass alle anderen die Ohren spitzen, vielleicht sprechen sie ja über uns.

Das Wirtepaar hat irgendwie den falschen Beruf gewählt, so etwas von unorganisiert haben wir noch selten gesehen. Für jedes Dingens, das sie bringen müssen, laufen sie einzeln. Und sie müssen einiges bringen… Dafür schmiert uns die Wirtin die Stullen höchstpersönlich, auch gut!

Wie immer starten wir um 9 Uhr. Dank der leichten Bewölkung ist es nicht so heiss, aber drückend schwül.

Bewölkt!

Bewölkt!

Wir schwitzen bald wieder wie die Rennpferde. In Gotthards stossen wir wieder auf die Karawane mit den Oldtimern; die alten Mercedes sehen schön aus und stinken auch ordentlich. In Gotthards führt eine Brücke über die Nüst, ein kleines Flüsschen, eher ein Bächlein. Neben der Brücke findet sich diese Hinweistafel — ich bin grosser Fan deutscher Hinweistafeln:

Die Diensttreppe.

Die Diensttreppe. Vier Tritte bis zum Bächlein.

Kurz vor der ersten Getränkerast lässt sich Brige leicht zurückfallen. Dafür kommt sie mit einem Arm voller Blumen und einem strahlenden Lächeln. Mir schwant Schlimmes. Richtig, «Was blüht denn da?» wird gezückt und wir bestimmen: die gewöhnliche Wegwarte, bei der sich zu Briges grösstem Erstaunen die Blüten bereits mittags schliessen, den gewöhnlichen Wirbeldost, den kleinen Odermennig und das Jakobs-Greiskraut.

Die weitere Wanderung gestaltet sich unspektakulär schön, der Blick in die offenen Fernen macht auch heute Freude und heute ist es noch einsamer als gestern. Stellenweise führt der Weg hart entlang der Grenze zu Thüringen und wir kommen an einem Abzweiger vorbei, von wo ein Weg zur 18 km entfernten Gedenkstätte Point Alpha führt, wo die deutsch-deutsche Geschichte vor dem Mauerfall präsentiert wird.

Nicht mehr weit.

Nicht mehr weit.

Die zweite grössere Pause machen wir auf dem Habelstein, einem ausgesetzten Felssporn, wo man in die Ferne oder auch auf die 200 Meter tiefer liegenden Weiler gucken kann.

Endstation ist heute in Tann, einem hübschen Städtchen, wo gerade eine Hochzeit im Gange ist, als wir eintreffen. Männer in dunklen Anzügen und Krawatten bei gut 28°C; ich bin froh um die kurzen Wanderhosen. Den Zvieri geniessen wir in einem lauschigen Café in einem musealen Hinterhof. Anschliessend geht’s zu EDEKA, wir brauchen neues Reisewaschmittel, die alte Tube war so alt, dass sie bei der ersten Benutzung zersplittert ist.

Weil ich im Moment keine Schnitzel mehr sehen kann, essen wir heute beim Italiener. Eine gute, nein, eine sehr gute Wahl! Wir werden fürstlich bekocht und am Schluss vom Italiener persönlich über dessen Lebensweg informiert. Ein rundum gelungener Abend.

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