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Hochrhöner Tag 7 – von Tann nach Dermbach

Die Wetterprognose hat mich angelogen. Sie hat Kappenwetter vorausgesagt (viele Wolken), dabei ist Hutwetter (sehr viel Sonne). Diese fake news machen einfach vor gar nichts halt. Ich muss den Schirm meiner Kappe ständig ausrichten, damit ich mir Hals und Ohren nicht verbrenne. Mein Wanderhut mit der breiten Krempe ist leider im Koffer.

Und heute wandern wir durch besonders viel offenes Gelände. Gleich zu Beginn geht es von Tann bergauf, vorbei an einem alten Judenfriedhof und an der Apfelweinstube Dietgeshof. Dann befinden wir uns auf einer riesigen Hochebene und wandern teilweise mitten durch die Felder. Ein Bauer ist gerade daran, sein trockenes Gras mit einer Maschine aufzusammeln, welche die zylinderförmigen Heuballen direkt hinten auswirft.

Da gabs früher kein Durchkommen

Nun erreichen wir die Grenze von Hessen nach Thüringen, das früher zur DDR gehörte. Ein Grenzstein und eine Tafel erinnern daran. Ausserdem laufen wir sicher zwanzig Meter auf dem Grünen Band. Das ist das Gebiet entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, das als geschützter Grüngürtel erhalten werden soll. Da möchte ich auch einmal wandern! Später sehen wir zwei alte Türme, von denen aus die Grenze überwacht wurde.

Zum Glück ausser Betrieb, der Wachturm

Auch heute sind die Bremsen wieder auffallend lästig, und nachdem mich die dritte gestochen hat, sprühen wir uns mit Antibrumm ein, noch vor der ersten Rast. An einer Kreuzung finden wir ein Schattenplätzchen und stärken uns, während wir zusehen, wie ein Vater mit seiner Tochter Autofahrtraining macht. Eine Mountainbikerin macht ebenfalls Pause und fragt uns, ob wir zum Gläserberg wandern. Tun wir. Schön sei das. In der Tat. Auch die heutige Etappe ist grandios und bietet besonders viel Aussicht. Wir erkennen Wasserkuppe und Milseburg und blicken auf unsere gelaufenen Kilometer zurück.

Dermbacher Hütte auf dem Gläserberg

Der Gläserberg ist nicht mehr weit, aber der Aufstieg ist enorm schweisstreibend. Oben ist es absolut genial: Man sieht in alle Richtungen, und es gibt eine Bergbeiz, die Dermbacher Hütte. Sie hat ordentlich Gäste, die lauthals über Politik diskutieren. Das hören wir durch die offenen Fenster, während wir im Schatten hinter der Hütte rasten.

Abstieg vom Gläserberg

Nun folgt die Schlussetappe: der Abstieg nach Dermbach, unter anderem durch einen Wald mit vielen mächtigen Buchen. In Dermbach erwartet uns ein grosses Hotelzimmer mit drei Betten, gutem Internet und Sky TV, so dass wir die Königsetappe der Tour de France in HD-Qualität geniessen können. Das Abendessen genehmigen wir uns im nahegelegenen Viersternhotel, wo wir gefragt werden, ob wir mit Beatrice Egli verwandt seien.

Nun sind wir gespannt, ob die angekündigten Gewitter heute Nacht eintreffen und uns den morgigen Tag verderben werden.

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