Oder: Schwitzen und trinken
Heute hat die Hitzewelle in Deutschland ihre Spitze erreicht. Im Südwesten Deutschlands wurden 37° C gemessen, in Trier gar 39° C, die Wetter-Apps auf unseren Handys gaben noch an, das sei „gefühlt 41° C“. Ja, danke schön dafür. Es war, und ist immer noch, sehr heiss.
Das Frühstück nahmen wir auf der lauschigen Hotelterrasse zu uns, wo ein angenehmes Lüftchen wehte. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite sahen wir direkt auf einen Campingplatz, der auf der anderen Seite von der Mosel begrenzt wird. Der Campingplatz ist aktuell für Normalsterbliche gesperrt, hier campieren zur Zeit die Besucher des Festivals „Harley und Wein“, das am Wochenende beginnt. Es wehen Piratenflaggen an biederen Campingbussen, alles ist mit schweren Motorrädern zugestellt; wir müssen ob der Wochenend-Rebellen ein wenig schmunzeln.
Nach dem Start geht es durch das Dorf zurück zum Moselsteig. Im Dorf überlegen wir kurz, ob wir am Automaten nicht zur Sicherheit noch eine Flasche „Notfall-Riesling“ kaufen sollen. Aber nein, es muss ohne gehen.

Der Zusteig, der zum Moselsteig führt, ist steil, und er treibt uns den Schweiss aus allen Poren. Wir haben eine Tropennacht hinter uns, und jetzt am Morgen früh ist es bereits richtig heiss. Auf der Krete angelangt, wandern wir in der Höhe neben der Hauptstrasse und sehen auf dem offiziellen Moselsteig weder Mosel noch Weinberge. Kurzerhand ändern wir die Route und folgen auf einem anderen Weg der obersten Lage. Sehr schön hier!
Auch heute sind wir wieder schwer beeindruckt von den Steillagen.



Die Weinbauern setzen moderne Technik ein, nicht nur direkt am Boden mit den speziellen Maschinen für die Arbeit an und in den Reben, sondern auch beim Einsatz von oben.


Oberhalb der Gemeinde Wolf ist der Moselsteig mit einem kleinen Geologie- und Baumlehrpfad veredelt. Wir freuen uns über die Nussbäume, die Esskastanie, den Feigenbaum, die Apfelquitte und die Birnenquitte, den echten Mehlbeerbaum, die Eberesche und besonders freuen wir uns über das Schild mit dem Speierling. Aber die Expertin in unserer Zweiergruppe stutzt, die Borke und die Blattform weisen klar auf eine Esche hin. Ui, hier lernen Generationen von Wolfer Schülerinnen und Schüler die Bäume falsch und scheitern dann im Fernseh-Quiz bei der Baumfrage …


Es wird immer heisser. Das ist der richtige Moment für das Kühltuch, das wir zum ersten Mal auf einer Wanderung mit uns führen. Ein tolle Sache, dieses Mikrofasertuch. Man tränkt es in Wasser und führt es in einem dichten, flaschenförmigen Behälter mit sich, packt es aus, und legt es sich über den Kopf oder die Schultern. Dank der Verdunstungskühlung tritt der Kühlungseffekt sofort ein, und das Tuch erfrischt einen tadellos. Kein Wunder, ist es aktuell ausverkauft.

Frisch gekühlt passieren wir das riesige Feriendorf Landal Mont Royal und die noch riesigere Festung Mont Royal von Ludwig XIV, von der aber überhaupt nichts mehr zu sehen ist. Die Festung und das zugehörige Gelände bot Platz für 12’000 Soldaten und 3’000 Pferde, war aber nur kurz in Betrieb und wurde 1698 geschleift. Heute kann man die damalige Grösse nur noch erahnen.


Der Abstieg nach Traben-Trarbach ist ebenfalls schweisstreibend, je tiefer wir kommen, desto heisser und drückender wird es. Im 19. Jahrhundert war Traben-Trarbach nach Bordeaux der zweitgrösste Handelsplatz für Wein in Europa. Die halbe Stadt ist unterkellert, das schauen wir uns vielleicht Morgen an unserem Ruhetag an. Schön kühl wäre es dort sicher auch!
Traben scheint aber jetzt gerade ausgestorben. Kein Wunder bei der Hitze. Wir decken uns im Edeka mit weiteren Getränken ein und überqueren die Brücke nach Trarbach. Dort kühlen wir uns im Eis-Café Simonetti herunter. Signore Simonetti selbst bedient uns, während im Hintergrund auf dem Grossbildschirm ein etwa 30 Jahre jüngerer Herrn Simonetti zeigt, wie sein Eis produziert wird. Wir können nur Bestes berichten!
Das Hotel passt uns und die nette Dame am Empfang gibt uns den goldenen Tipp für unser Nachtessen, das Weingut Trossen hätte ein breites Angebot an Riesling im Offenausschank und währschaftes Essen. Der kurze Spaziergang führt uns etwas über Traben, und wir lassen es uns bei verschiedenen Gläsern Riesling, die alle vorzüglich munden, und bei Wurstsalat gut gehen. Daran könnte man sich gewöhnen!

























































