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Heute Morgen sind wir leicht gestresst, denn wir müssen von unserem Hotel in Monzel mit dem Bus zurück nach Neumagen und haben nur eine halbe Stunde Zeit für das Morgenessen. Als ich beim Busfahrer die Billette nach Neumagen kaufen will, schüttelt der den Kopf und meint, er fahre nicht dort hin. Ich bin verdutzt, haben wir doch die Verbindung genau herausgesucht. Christof erklärt ihm dann, dass wir in Mülheim umsteigen, dann kapiert er … und sorgt in Mülheim auch dafür, dass wir in den richtigen Bus umsteigen. In Neumagen besuchen wir zuerst die Bäckerei „Wildbadmühle“ und kaufen uns belegte Brote für die Wanderung.

Heute sind wir ausschliesslich auf der linken Seite der Mosel unterwegs – nur der Startpunkt ist noch am rechten Ufer.

Auf der anderen Seite der Brücke geht es gleich bergauf, und wir wandern wieder durch die alte Kulturlandschaft. Die Taxifahrerin Frau Kreuch hat uns gestern erzählt, dass schon viele Rebberge aufgegeben wurden, und das sehen wir heute mit eigenen Augen. Die Natur erobert sich die nicht mehr bewirtschafteten Hänge zurück – teilweise wuchern auch Neophyten wie Goldrute oder Kanadisches Berufkraut. Aber oberhalb von Neumagen gibt es auch noch die typische karge Landschaft mit viel Gras, Traubeneichen und Besenginster.

Landschaft auf den Moselhöhen

Nach einem Marsch durch den Wald erreichen wir einen tollen Aussichtspunkt mit Absprungrampe der Trierer Drachenflieger. Hier legen wir eine Trinkpause ein, denn es wird schon wieder recht warm. Es ist heute leicht bewölkt, das ist ganz angenehm. Die Sicht ist aber trübe, vermutlich hat der stürmische Wind gestern sehr viel Staub aufgewirbelt.

Wer soll nur all diesen Wein trinken? Rechts Dhron.

Nun geht es ein gutes Stück durch Wald, den Christof langweilig findet, denn es ist ein Buchenwald wie daheim. Ich geniesse den Schatten. Es ist einfach immer wieder eindrücklich, wie angenehm das Klima an einem heissen Sommertag im Wald ist. Aber dann folgt ein Abschnitt, der uns quer durch die Piesporter Weinberge (Einzellage Piesporter Goldtröpfchen) führt, und auf diesem Weg hat man natürlich eine grandiose Aussicht.

Reben ohne Ende

Ausserdem kann man sich hier über die verschiedenen Böden informieren, der den Trauben den typischen Geschmack verleiht.

Gestein aus den verschiedenen Rebbergen an der Mosel

Wir wandern also so durch den Rebberg auf einem Natursträsschen, da kommt uns ein Auto entgegen … und noch eins, und noch zwei … also insgesamt etwa sechs oder sieben, es staubt wie wahnsinnig, aber das Lüftchen kommt von unten und bläst den Staub von uns weg (die Autos werden sehr viel staubiger als wir). Wir sind leicht irritiert, sehen aber nachher Wegweiser vom ADAC, der offensichtlich solche Routen im Angebot hat.

Wir verlassen nun den Rebberg wieder und lassen eine Moselschleife (Minheim) aus, indem wir direkt über den Hügel Richtung Wintrich laufen.

Die Staustufe Wintrich, eine von insgesamt 28 der Mosel

Wir können bereits Richtung Kesten und Osann-Monzel äugen, wo wir heute wieder übernachten werden. Aber der Moselsteig hat noch eine Schleife mit einigen Höhenmetern im „Hinterland“ im Ärmel, und wir dürfen weiterhin schwitzen. Wir wandern am Sauerbrunnen im Dreiselbachtal vorbei. Aus dieser Quelle soll schon Julius Cäsar getrunken haben. Es gibt eine schöne Kneipp-Anlage hier, aber leider kein Wasser …

Wassertreten ohne Wasser

Wir hätten ja ganz gerne unsere heissen Füsse gekühlt, aber so marschieren wir weiter und erreichen alsbald das Hotel, wo wir uns als erstes mit einer eiskalten Cola von innen erfrischen.

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Moselsteig Etappe 2 von Mehring nach Neumagen-Dhron

Oder: Wandern im Dörrex

Die belegten Brote der Bäckerei Wintrich waren so gut, dass wir uns heute Morgen gleich nochmals dort eindeckten. Das volle Programm, will heissen: Brötchen (Brige: Dinkel, ich: Roggen, schliesslich habe ich zu Studienzeiten in Zürich an der Roggenstrasse gewohnt), Salatblatt, Gurke, Tomate, Remoulade, Butter und Käse. Und alles ganz frisch. Zwei Brötchen zusammen € 5.80. Meisterqualität!

D für Dinkel, R für Roggen.
D für Dinkel, R für Roggen.

Der Wetterbericht für heute ist schwierig, es soll nochmals richtig heiss werden, und nach dem Mittag soll eine Störung mit massiven Böenspitzen Deutschland von Südwest nach Nordost durchqueren. Tagesschau-Meteorologe Sven Plöger schaute gestern ganz ernst, als er vor den Orkanböen warnte.

Wir fahren mit dem Taxi wieder zum gleichen Punkt, wo wir gestern abgeholt worden sind, und starten um etwa halb Neun. Kaum warmgelaufen, erwartet uns der Aussichtsturm beim Fünf-Seen-Blick. Die 25 zusätzlichen Höhenmeter nehmen wir locker, und die Aussicht ist grandios. Da die Mosel in vielen Schleifen verläuft und ihr Lauf optisch manchmal unterbrochen ist, könnte man tatsächlich meinen, fünf Seen zu sehen.

Der Aussichtsturm "Fünf-Seen-Blick".
Der Aussichtsturm „Fünf-Seen-Blick“.
Blick auf etwa drei der fünf "Seen".
Blick auf etwa drei der fünf „Seen“.
Ja, wir waren wirklich oben, alle beide.
Ja, wir waren wirklich oben, alle beide. Wir danken Mechthild und Berthold für das Bild.

Die Route führt in der Höhe Richtung Norden, wo sich allmählich der Blick öffnet auf eine riesige Schleife der Mosel, auf deren Landinnenseite sich Weinstock an Weinstock reiht. Wir überblicken ein rund acht Quadratkilometer grosses Weinanbaugebiet, einfach unglaublich! Und die Anbaugebiete in der Flanke auf der anderen Seite der Mosel, ganz hinten im Bild, die kommen noch dazu.

Im Riesling-Meer.
Im Riesling-Meer.

Es ist jetzt etwa 10 Uhr und schon unglaublich schwülheiss; wir sind froh um jedes kurze Wegstück, das auch nur ansatzweise durch Wald führt und etwas kühleren Schatten spendet. Leider geht es bald aus dem Wald hinaus und hinab Richtung Leiwen. Das dauernde Auf- und Ab ist typisch für den Moselsteig; die Mosel weist hier eine Höhe von 116 m.ü. NHN, wir sind also 215 Meter tiefer als die Aare bei Brugg. Und hoch bedeutet hier einen schweisstreibenden Anstieg um rund 150 Höhenmeter …

Einen solchen haben wir gleich wieder vor uns, der Weg führt zum Leiwener Kapellchen, wo wir uns stärken und vor allem trinken.

Kurzer Abstieg.
Kurzer Abstieg Richtung Leiwen.
Beim Leiwener Kapellchen.
Blick von oben auf das Leiwener Kapellchen.

Der Weg führt jetzt in der Höhe etwas von der Mosel weg, und wir blicken in das angrenzende Tal, wo die kleine Dhron fliesst. Hier ist es wild, karg, ausgedorrt und heiss, es sieht ein wenig wie in der Macchia aus. Auch hier stösst man auf Weinberge, allerdings solche, die nicht mehr genutzt werden und deren Mauern und Treppen am Verfallen sind.

Alte Weinberge (nicht mehr in Betrieb).
Alte Weinberge (nicht mehr in Betrieb).

Mitterweile ist es 11 Uhr und jetzt kommt böiger, heisser Wind auf. Die Windstösse sind stark, man kann es im nächsten Bild an den Büschen erahnen. Wir sind uns ja Wärme gewohnt, aber jetzt butzt es uns schier ab der Hitze und dem Wind. So müssen sich die Apfelringli im Dörrex fühlen …

Heisser Seitenwind.
Heisser Seitenwind.

Die Böen sind heftig, unmittelbar vor uns kracht ein abgestorbener Baum auf die Strasse, und wir erschrecken ziemlich. Zum Glück passiert auf dem weiteren Weg nicht Gravierendes mehr.

Hoppla!
Hoppla!

Der Wind bringt Bewölkung, es wird etwas dunkler, aber nicht kühler. Der letzte Abstieg des Tages führt uns zur Märtyrer-Kapelle. Die Legende sagt, dass das Blut der christlichen Märtyrer, die im Jahr 286 in Trier ihr Leben lassen mussten und deren Körper in die Mosel geworfen wurden, das Wasser der Mosel bis hierhin rot gefärbt habe.

Bei der Märtyrer-Kapelle.
Blick zurück auf die Märtyrer-Kapelle kurz vor Neumagen-Dhron.

Die letzten Kilometer der Route teilen wir Wanderer mit den Fahrradfahrern, von denen wir aber kaum einen sehen. Wir haben bis jetzt auch kaum andere Wanderer angetroffen. Bald erreichen wir Neumagen-Dhron, ein klassisches Strassendorf, dessen Strassenachse genau in der aktuellen Windrichtung liegt. Und es bläst wieder gewaltig, der ganze Staub und Dreck, Blätter von den Bäumen, Plastic und Papier peitschen durch die Luft, und wir werden sandgestrahlt und gepudert.

Am anderen Dorfende befindet sich das Bureau des Fahrservice Gabriela Kreusch. Sie fährt uns persönlich ins Hotel in Osann-Monzel, dem übernächsten Dorf. Unterwegs erfahren wir allerhand über den Weinbau der Region. Hier kämpft man mit den gleichen Problemen wie in der Schweiz; strenge Arbeit, sinkende Nachfrage, eher hohe Weinpreise.

Im Hotel in Monzel werden wir drei Nächte verbringen, und jeweils mit Bus und Taxi zu den Startorten der nächsten zwei Etappen beziehungsweise wieder ins Hotel zurückfahren.

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Moselsteig Etappe 1 von Schweich nach Mehring

Unser Hotel bietet Frühstück (oder wie Friedrich Dürrenmatt sagen würde: Morgenessen) ab 6.30 Uhr. Das kommt uns entgegen, denn wir wollen an diesem Hitzetag früh los. Vor dem Abmarsch organisieren wir aber noch ein Taxi, das uns am Ende der Etappe nach Schweich zurückbringt. Und natürlich statten wir der Bäckerei Wintrich einen Besuch ab. Unsere Roggenbrötchen werden an Ort und Stelle frisch belegt. Dann geht es los, und bevor wir Schweich verlassen, fällt uns eine Gottesanbeterin praktisch vor die Füsse.

Europäische Gottesanbeterin, vermutlich ein Männchen

Nun aber verlassen wir Schweich, indem wir die Autobahn unterqueren, und schon sind wir im ersten Rebberg unserer Tour. Es geht gleich hoch – zum Glück ist die Temperatur noch angenehm. Auch hier herrscht eine extreme Trockenheit. Die Reben sind schön grün, sie werden bewässert, das sehen wir später noch mit eigenen Augen, aber die Wiesen sind ockerfarben, alles ist verdorrt. Wir steigen hoch zum Stadtwald oberhalb der Reben. Hier stehen viele Eichen und wir haben prächtige Aussichten ins Moseltal.

Blick moselaufwärts, rechts Schweich

Vom Stadtwald geht es Richtung Mehringer Berg, also weiter bergauf. Ein sehr schöner Ort. Hier gibt es im Frühling sicher schön blühende Wiesen, aber jetzt … zum Glück war ich dieses Jahr schon auf vielen Botanikexkursionen, so dass es reicht bis zum nächsten Jahr.

Auf dem Mehringer Berg (418,7 m ü. NHN)

Nun geht es in umgekehrter Reihenfolge wieder Richtung Tal. Zuerst durch Wald und dann durch den Rebberg oberhalb von Mehring. Aber zuerst suchen wir uns einen schattigen Rastplatz, denn wir sind durstig und hungrig geworden. Wie praktisch, dass ein umgebautes 10’000-Liter-Weinfass am Weg steht, darin ist es angenehm kühl.

Wir fühlen uns wie Hobbits

Anschliessend geht es den heissen, steilen Rebberg hinab, man fühlt sich wie in Visperterminen. Wir sehen Blauflügelige Ödlandschrecken – ich kenne die eigentlich nur, weil sie 2023 Tier des Jahres war. Und wir sehen, wie die Rebstöcke bewässert werden, nämlich mittels einer Leitung, aus welcher punktgenau Wasser auf die einzlnen Pflanzen tröpfelt. Allerdings ist oben irgendwo ein Anschluss defekt, denn auf einer Bahn Rebstöcke kommt uns ein kleiner Murgang entgegen – das schöne Wasser! Da wird noch jemand fluchen …

Wir erreichen nun Mehring an der Mosel und überqueren den Fluss, der übrigens furchtbar aussieht: voller Algen, nicht einmal den kleinen Zeh würde ich da reinhalten.

Grüsel-Mosel, zur Zeit ist das Wasser rund 25 Grad warm – während der letzten Hitzewelle waren es über 30 Grad

Nun müssen wir noch einen Anstieg von rund 300 Metern unter die Füsse nehmen, und der hat es in sich. Er ist steil und schweisstreibend, immerhin befinden wir uns in der Mehringer Schweiz. Es ist jetzt auch sehr warm geworden. Zum Glück sind wir im Wald unterwegs! Aber das Schwitzen und Schnaufen wird belohnt: Die Aussicht vom Kumer Knüppchen (mit Gipfelkreuz!) ist grandios! Wir machen eine Verpflegungspause und geniessen die Ausblicke.

Blick zurück moselaufwärts, links Riol

Nun sind es nur noch gut 2 Kilometer bis zum Parkplatz, wo unser Taxi bereits wartet (“ich konnte gerade eine Zigarette rauchen“). Im angenehm klimatisierten Fahrzeug lassen wir uns zurück nach Schweich chauffieren, wo wir nochmals im gleichen Hotel nächtigen.

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Von Brugg nach Schweich

Oder: wir haben eine Situation!

Bis Basel Bahnhof klappte alles gut mit der Anreise. Dann setzten wir uns im ICE nach Mannheim im Wagen 11 auf unsere reservierten Plätze und warteten auf die planmässige Abfahrt um 08:16 Uhr. Nach fünf Minuten Warten ertönte die erste Durchsage: „Wir haben eine Situation und können nicht abfahren. Die Zugfahrt entfällt. Wir bitten alle Reisenden auszusteigen und den nächsten ICE um 08:46 Uhr zu nehmen.“ Alle stehen auf und beginnen, ihr Gepäck herunter- oder hervorzuhieven. Als alles aussteigen will, ertönt die zweite Durchsage: „Wir können jetzt doch fahren, aber nur bis Basel Badischer Bahnhof. Dort steht ein Ersatzzug bereit, mit dem Sie Ihre Reise fortsetzen können. Bitte steigen Sie nicht aus.“ Ah, top, das tönt doch gut! Vielleicht erreichen wir in Mannheim sogar unseren Anschlusszug? Alles setzt sich wieder.

Dann eilen zwei Polizisten durch unseren Wagen und verschwinden durch die Gangtür. Wegen der Situation? Wenig später fahren wir tatsächlich los. Kurz vor dem Badischen Bahn ertönt die dritte Durchsage: „Leider konnten wir in der gegebenen Zeit doch keinen Ersatzzug bereitstellen. Bitte nehmen Sie den nächsten fahrplanmässigen ICE auf dem Gleis nebenan.“ Na, toll. Der kommt ja auch von Basel und ist sicher voll. Wir haben aber Glück und finden im vordersten Erstklasswagen zwei freie Plätze. So, und jetzt nehmen wir doch noch Fahrt auf.

Im Bahnhof Mannheim stärken wir uns mit Sandwiches für die dreistündige Weiterreise, die uns über Kaiserslautern, Saarbrücken, Völklingen, Mettlach und Trier endlich nach Schweich führt. Die Strecke ist spektakulär schön, insbesondere der Abschnitt zwischen Mettlach und Trier, wo die Zuglinie der Saar folgt und alle Schleifen mitmacht.

In Kaiserslautern: Blick auf das Fussballstadion Betzenberg (hinten oben)
An der Saar.
An der Saar.
Saarschleife bei Kanzem.
Saarschleife bei Kanzem.

Beim Bahnhof Schweich leisten wir uns ein Taxi, wir haben keine Lust, mit dem Rollkoffer eine halbe Stunde in glühender Sonne ins Hotel zu marschieren. Nach der fünfminütigen Fahrt wissen wir bestens Bescheid über die aktuellen Strassenbauprojekte im Ort („es ist ein Wahnsinn!“, „alles abgesperrt!“) und wo man gut gutbürgerlich essen kann mit Blick auf die Mosel („sieht aus wie eine Kirche, ist aber ein Fährturm, und heute ein Restaurant!“).

Im Hotel Moselbrücke checken wir ein und erkunden anschliessend den Ort. Heiss ist es jetzt schon. In der Bäckerei Wintrich erkundige ich mich, ob man morgens Sandwiches kaufen könne. Sandwiches? Frau Wintrich erklärt mir mit sehr bestimmten Ton, dass die Bäckerei belegte Brote mache, Käse, Salami, Schinken. Und ja, ab 07:30 Uhr sei offen – also bis morgen, Frau Wintrich!

Puuh.
Puuh. Heiss.
Beim Meisterbäcker Wintrich.
Beim Meisterbäcker Wintrich.
Ich esse nur noch zertifizierte Premium-Meisterbrote.
Ich esse nur noch zertifizierte Premium-Meisterbrote.

Am Abend essen wir beim Italiener eine feine Pizza, das Ristorante ist draussen und drinnen brechend voll, das Personal ist im Laufschritt unterwegs und hat alle Hände voll zu tun. Nachspeise gibt’s beim Italiener nebendran in der Gelateria, und mit der Waffel in der Hand spazieren wir noch ein wenig entlang der Mosel, was höchst interessant ist. Wir sehen den Fährturm, den Campingplatz und den Schweicher Hafen, wo man vom Standup-Paddler über den Jetski-Raser bis zum Grossjacht-Besitzer alles antrifft. Etwas weiter flussaufwärts hat die River Diamond angelegt, ein Flusskreuzfahrtschiff. Auf der uns zugewandten Seite zähle ich etwa 40 Kabinen. Bei allen ist sind die Vorhänge geschlossen. Plötzlich öffnet sich bei einer Kabine im oberen Stock die beiden Vorhänge und ein älterer Herr, der wohl direkt vom Duschen kommt, steht füdliblutt am Fenster und präsentiert den Spaziergängern auf dem Uferweg seinen beachtlichen Ranzen und seinen Johannes.

Beim Fährturm. Hinten die Brücke über die Mosel.
Beim Fährturm. Hinten die Brücke über die Mosel.
Die River Diamond. Leider kein Schnäbi-Bild.
Die River Diamond. Leider kein Schnäbi-Bild.
Sozusagen für die letzte Fahrt.
Sozusagen für die letzte Fahrt.

Frühstücken können wir morgen bereits ab 06:30 Uhr, was sehr gut ist, denn wir wollen früh los, damit wir nicht in der grössten Hitze wandern müssen.

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Moselsteig – es wird warm …

In einigen Tagen nehmen wir den Moselsteig unter die Füsse. Die Wetteraussichten sind prächtig, es wird sonnig und richtig heiss. Hier der Langfrist-Trend für Bernkastel-Kues, der Ort liegt etwa in der Mitte unserer Wanderung:

Eigentlich habe ich diesen Beitrag aber nur geschrieben, um zu testen, ob wir auf der Website immer noch alles im Griff haben. Das sieht doch gut aus.

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Von Dillenburg nach Brugg

Die Heimreise ist etwas unkomplizierter als Anreise. Wobei Christof vor einer Woche fluchen musste, da die Deutsche Bahn ihm per E-Mail mitteilte, dass unser Zug von Dillenburg nach Frankfurt am Main ausfällt. Wir fahren deshalb bereits um 8.31 Uhr in Dillenburg los, anstatt wie geplant eine Stunde später.

Der Bahnhof Dillenburg ist sehr heruntergekommen, aber vor dem Bahnhof gibt es eine gepflegte Wiese mit einer grossen Stele, Informationstafel und Rastplatz, denn dort endet beziehungsweise startet der Rothaarsteig.

Das Symbol des Rothaarsteiges als Skulptur

Die Heimreise gestaltet sich extrem unspektakulär. Zuerst bummeln wir in einer Dreiviertelstunde nach Giessen. Dort wird unser Zug „vereinigt“, also mit seiner zweiten Hälfte zusammengekoppelt, die von Treysa gekommen ist. Mit wenigen Halten fahren wir in einer weiteren Dreiviertelstunde nach Frankfurt am Main. Von dort haben wir einen ICE mit praktisch leerer 1. Klasse nach Basel, der ebenfalls pünktlich fährt. Noch einmal steigen wir um und erreichen Brugg um 15 Uhr.

Der Rothaarsteig hat uns ausgesprochen gut gefallen, und mit nur einem Regentag und idealen Temperaturen hatten wir viel Wetterglück. Es folgen nun noch ein paar Fotos, die es bisher nicht in die Beiträge geschafft haben.

Das Wald-Ruhrkraut, eine Pflanze, die ich nächstes Jahr kennen sollte, wenn ich das 600er-Zertifikat machen will …
Vollpfosten …
Man kann schlecht verloren gehen auf dem Rothaarsteig.
Wie Landesgrenze?
Christof im Besenginster.
Der Automat für Wurst- und Fleischnotfälle.
Das Huhn.

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Rothaarsteig Etappe 8 von Wilgersdorf nach Dillenburg

Ruhig war’s letzte Nacht; kein Wunder, wir sind die einzigen Gäste im Haus, das 44 Zimmer umfasst. Im grossen Speisesaal ist für uns aufgedeckt, der Wirt hat das komplette Frühstücksbuffet bereit gestellt und macht extra ein riesiges Rührei für uns.

Wohlgenährt ziehen wir los. Für den Zustieg zum Rothaarsteig wählen wir eine direkte Route, die uns ins Schwitzen bringt. Es ist jetzt schon sehr schwül und wegen der Feuchte ziehen Nebelschwaden vorbei, oder ist das tiefhängende Bewölkung? Die Rotorblätter der nahegelegenen Windkraftanlage sieht man kaum im Nebel.

Hochnebel oder tiefhängende Bewölkung.
Nebel oder tiefhängende Bewölkung.
Windkraft, gut getarnt.
Windkraft, gut getarnt.

Die Wanderwege sind vom gestrigen Niederschlag nass, das Gras ist niedergedrückt. Trotz Goretex-Membran werden unsere Schuhe, Socken und Füsse nass, und sie bleiben es bis Dillenburg.

Nasse Graspfade führen zu ...
Nasse Graspfade führen zu …
... nassen Schuhen.
… nassen Schuhen.

Die Streckenführung ist heute zu Beginn etwas komplizierter als sonst, denn in der Nähe von Wilgersdorf verzweigt sich der Rothaarsteig in zwei gleich markierte Äste, die als östlicher „Hauptweg“ und als westliche „Westerwaldvariante“ beide nach Dillenburg führen. Zudem sind noch diverse Zustiegsrouten signalisiert. Wir biegen in die Hauptvariante ein, die uns in einem dauernden leichten Auf und Ab durch den Wald zur imposanten Lucas-Eiche und weiter nach Rodenbach führt, einem kleinen Dörfchen, das mit seltsamen Anschlägen an einem Scheunentor, schönen Fachwerkhäusern, einem Bahnübergang und einer Brücke über die Dill aufwartet.

Scheunentor in Haiger-Rodenbach mit seltsamen Ankündigungen.
Scheunentor in Haiger-Rodenbach mit seltsamen Ankündigungen. („Osteoporose Symposium Hörsaal 3“, „Die Süßigkeiten befinden sich zur Zeit im Müller-Milch-Kühlschrank“, „Wartezone für Blutdruck- und Pulskontrolle“)
Gleich gegenüber findet sich ein schönes Fachwerkhaus.
Gleich gegenüber findet sich ein schönes Fachwerkhaus.

Nach Rodenbach steigt der Weg steil und direkt an, wir schwitzen wie die Rennpferde. Also Pause! Bei einer schönen Waldhütte rasten wir, und Brige verzehrt ihr erstes und einziges Leberwurst-Sandwich auf dieser Tour mit grösster Freude. Grösste Freude an uns haben auch die Mücken, wir müssen sofort zu Diethyltoluamid DEET (Anti-Brumm) greifen, um der Plage Herr zu werden.

Letzte Mittagsrast.
Letzte Mittagsrast.

Nach der Rast geht’s steil hinunter nach Manderbach, ins Tal des Flüsschens Dietzhölze, wo wir an drei schönen Schwarzerlen vorbeiwandern.

Drei Schwarzerlen bei Manderbach.
Drei Schwarzerlen bei Manderbach.

Auf der anderen Talseite stossen wir beim nächsten Anstieg auf eine interessante Ansaat. Da sind in Längsstreifen abwechselnd Kartoffeln und Blühstreifen angesät, wir haben keine Ahnung, wie das genau funktioniert. Vermutlich sind das Einsaatbrachen, damit sich der Boden erholen kann. Jedenfalls ist es schön anzusehen.

Interessante Bepflanzungen.
Interessante Bepflanzungen.

Beim Aufstieg hoch zum Galgenberg schwitzen wir weiter, obwohl es immer noch bewölkt ist. Die Luft ist zum Schneiden feucht. Das klebrige Gemisch aus Sonnencrème, Anti-Brumm und Schweiss ist das Markenzeichen jedes engagierten Sommer-Wandernden …

Beim ersten Abstieg nach Dillenburg passieren wir den Kilometrierungsstein 150 km. Also nur noch 5 Kilometer bis zum Ziel.

Der 150er! Das Ziel ist nahe!
Der 150er! Das Ziel ist nahe!

Nur noch über die Strasse, und dann sind wir da. Denkste … Diese letzten fünf Kilometer haben es in sich, denn es geht noch zweimal 100 Meter hoch und wieder runter. Wäre Dillenburg ein Zifferblatt, dann wandern wir von 10 Uhr bis 15 Uhr, bevor wir endgültig in die Oranierstadt absteigen. Unterwegs bieten sich vom Adolfshöhe-Pavillon und dem Bismarck-Tempel wunderbare Blicke auf die Stadt und das Schloss Dillenburg mit dem Wilhelmsturm.

In der Industriezone.
Hier über die Strasse. In der Industriezone.
Blick auf die Dill.
Schon wieder die Dietzhölze.
Blick auf die Dillenburg mit Wilhelmsturm.
Erster Blick auf die Dillenburg mit Wilhelmsturm.
Der Adolfshöhe-Pavillon.
Der Adolfshöhe-Pavillon.
Bei der Adolfshöhe.
Bei der Adolfshöhe.
Ein besserer Blick auf die Dillenburg mit dem Wilhelmsturm.
Vom Bismarck-Tempel aus hat man einen noch besseren Blick auf Dillenburg und die Dillenburg mit dem Wilhelmsturm.

Als wir nach dem Abstieg vom Bismarck-Tempel das Ufer der Dill erreichen, werden wir von Otto von Bismarck persönlich begrüsst. Um die Standfestigkeit von Bismarcks ist es schlecht bestellt; die Haltebolzen sind durchgerostet, die Statue wackelt und hat sich mehrere Zentimeter Richtung Fluss bewegt. Vor einigen Jahren hat man deshalb von Bismarck mit Spanngurten am Sockel festgeschnallt, um das Schlimmste zu verhindern.

Otto von Bismarck, Dillenburger Ehrenbürger.
Otto von Bismarck, Dillenburger Ehrenbürger.

Wir betreten müde, aber zufrieden die Fussgängerzone in Dillenburg und wenden uns nicht links dem Hotel zu, sondern auf Briges dringenden und mit Nachdruck vorgebrachten Wunsch rechts dem Café Mampe, wo wir uns mit Cappuccino und Kuchen stärken.

Dillenburg hat eine kleine hübsche Altstadt, es ist wenig los, kaum Touristen, schon gar keine Wanderer, viele Läden sind geschlossen, weil Montag ist. Im Hotel werden wir wieder zu normal riechenden Mitmenschen. Nachtessen gibt’s im „The Original Beef“ an einem Aussensitzplatz in der Altstadt, den wir nach einer halben Stunde blitzartig verlassen müssen, weil auch heute ein Wolkenbruch niedergeht. Wir flüchten ins Innere und schmunzeln, weil wir den ganzen Wandertag heute keinen Regentropfen gesehen haben!

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