Heute erleben wir den ersten kühlen Morgen seit unserer Anreise. Beim Frühstück auf der Terrasse des Hotels gibt es tatsächlich Gäste, die im Zimmer ihr Jäckchen holen und anziehen – was für Feiglinge. Ich empfinde Temperaturen unter dreissig Grad mittlerweile auch als seltsam, aber zum Wandern ist der Morgen sehr angenehm. Es bläst ein frischer Wind und der Himmel ist klar. Es geht gleich wieder hoch auf der linken Seite der Mosel. Das erste Stück führt uns in einem Bogen durch einen sehr schattigen Wald. Hier gibt es sogar noch einige Pflanzen, die nicht verdorrt sind, z.B. das Einblütige Perlgras, das ich vor den Ferien zu Hause vergebens gesucht habe.

Schon bald erreichen wir den Prinzenkopf, wo zu Christofs Freude ein Aussichtsturm steht.

Die Aussicht ist einmal mehr prächtig. Wir befinden uns in einer schmalen Schleife, so dass wir für einmal die Mosel auf beiden Seiten sehen.

Das Café auf der Marienburg hat noch geschlossen, also marschieren wir weiter. Wir folgen der rechten Mosel auf der linken Seite.

Es folgt nun eine Passage durch meine Lieblingslandschaft hier: auf der Höhenkurve durch halb oder ganz verwilderte Weinberge. Bald finden wir auch einen sehr lustigen Rastplatz, wo wir eine kurze Pause machen.


Wir erreichen Zell gegen Mittag. Hier gibt es eine Fussgängerbrücke über die Mosel, eine echte Rarität. Obwohl wir heute hier übernachen, ist die Etappe noch nicht zu Ende. Also setzen wir uns an der Uferpromenade auf eine schattige Bank und essen unsere belegten Brote. Die Stärkung ist auch notwendig, denn es folgt nochmals eine Steigung, die es in sich hat.

Eigentlich wandern wir nur einen Stadtteil weiter nach Merl, das sind drei Bus-Haltestellen. Aber dazu steigen wir sehr steil praktisch durch eine Felswand hoch zum Aussichtspunkt Collisturm und dann gemütlich wieder bergab nach Merl.

Zurück in Zell besuchen wir zuerst die Eisdiele Venezia, bevor wir unser Hotelzimmer mit Balkon und Moselblick beziehen. Es gibt Schlimmeres.
