Unser letzter Tag auf dem Moselsteig bietet nochmals alles, was diesen Wanderweg und die vergangenen zehn Tage ausmachten: Nette Leute, unglaubliche Hitze, schweisstreibende Anstiege, schöne Ausblicke, steile Weinberge, Flussschleifen, Schiffsschleusen, Einsamkeit, Burgen, Touristenfallen und Vollpfosten.
Der Wanderweg über den Gemeinden Senheim und Mesenich führt wenig überraschend durch einen Weinberg. Hier findet sich zur Abwechslung ein Skulpturenpark entlang den alten Wänden, durchaus auch mit spielerischem Einschlag.





Wir nähern uns dem nächsten Punkt von touristischer Bedeutung, vor dem wir schon gestern beim Nachtessen gewarnt wurden, dem Örtchen Beilstein. Zuerst aber kommt wieder einmal eine Burg ins Blickfeld, Burg Metternich, schön gelegen über Beilstein. Brige spürt meine freudige Erregung und sorgt frühzeitig vor, sie werde unter gar keinen Umständen auch nur einen Fuss auf das Gelände der Burg setzen, geschweige denn den Turm besteigen und ob ich die Drehkreuze sehe, die wollten sicher einen Obolus. Sie sei als Aargauerin burgengeschädigt. Also passieren wir die Burg seitlich und steigen ab. Eine kleine Anmerkung muss ich aber dennoch machen; denn Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar, Fürst von Metternich-Winneburg zu Beilstein (* 15. Mai 1773 in Koblenz; † 11. Juni 1859 in Wien) stammte aus der Linie Winneburg und Beilstein des Adelsgeschlechts Metternich. Sein Portrait findet sich auf den gleichnamigen Sektflaschen.






Wir sind froh, können wir den Trubel hinter uns lassen und wieder ein wenig hochsteigen. Das nun folgende Wegstück hat es in sich. Wir werden schon mal gewarnt. Und in der Tat wird es recht ruppig im Fels, mit hohen und schmalen Tritten, besonders ausgesetzte Stellen sind mit Seilen gesichert.


Als wir das Gröbste hinter uns haben, kommt uns eine Vierergruppe entgegen, die beiden Frauen tragen Sandalen, die hintere hat offensichtlich Angst, uns zu kreuzen, weil der Weg wirklich schmal ist. Also pressen wir uns auf die Bergseite und machen uns flach, damit die Gruppe passieren kann. Am Schluss werde ich noch gefragt, ob es denn noch weit sei bis Beilstein? Meine Güte, die haben wirklich keine Vorstellung, was sie hier machen, und die Tafel im Bild oben, die sicher auch auf der anderen Seite angebracht ist, haben sie wohl gar nicht gesehen oder ignoriert.
Kaum fünf Minuten später kommt uns die nächste Gruppe entgegen, die sechs Personen sind noch schlechter ausgestattet, zwei Frauen tragen Pantoletten und kämpfen sichtlich mit dem verblockten Weg. Weil die Herren im mittleren Körperbereich klar mehrgewichtig sind, ist das das Kreuzen aus räumlichen Gründen auf dem nach wie vor schmalen Weg anspruchsvoll.
Wir durchqueren Fankel und Bruttig und steigen von der Mosel zum Eisernen Mast auf 300 M.ü. NHN hoch. Der Weg verläuft in einem Tobel, wo tatsächlich noch ein Rinnsal fliesst. Wir kommen wieder ins Schwitzen. Oben angelangt ist der Blick einmal mehr atemberaubend.

Es ist leicht bewölkt, heiss und sehr schwül. Das merken wir gut, als wir der Krete Richtung Valwig folgen. In der Nähe einer schön gelegenen Naturbegräbnisstätte rasten wir, geniessen die Aussicht, das belegte Brot, die Trauben und das Kühltuch.

Es wird immer heisser und drückender. Die Sonne brennt vom Himmel, und der Boden sowie die alten seitlichen Stützmauern aus Schiefer strahlen Wärme ab. Der deutsche Wetterdienst hat gestern schon wieder gewarnt, man solle heute drinnen bleiben und viel trinken. Ersteres ignorieren wir und letzteres nehmen wir uns zu Herzen; wir trinken heute beide 2 Liter Wasser während der Wanderung.

Auch die Natur leidet unter der anhaltenden Hitze und der Trockenheit. Im Wald sind viele Bäume bereits jetzt gelblich-braun, vor allem die Birken, die Hainbuchen und Wildkirschbäume sind betroffen. Immer wieder treffen wir Stellen an, wo die Bäume, um sich zu schützen, viele Blätter abgeworfen haben.

Jetzt wird es kompliziert, denn die Wanderkarte, die App auf meinen Handy und die vor uns liegende Markierung des Moselsteigs zeigen drei verschiedene Richtungen an. Die Markierung des Moselsteigs sieht sehr neu aus, also folgen wir dieser. Statt durch den Rebberg wandern wir weiter in der Höhe durch den Forst Richtung Cochem. Bei einem Unterstand öffnet sich der Blick kurz auf Cochem. Der Abstieg nach Cond, von wo die Brücke nach Cochem führt, ist einmal mehr sehr steil, wir merken auch die 21 Kilometer des heutigen Tages.


Müde, aber sehr zufrieden erreichen wir Cochem. Gleich links nach der Brücke haben wir eine Eisdiele ausgemacht, wo wir unsere Körperkerntemperatur mit Eiskaffee und Frappé senken.
Im Hotel sind die Koffer noch nicht angekommen. Wir überbrücken die Wartezeit mit einem Abstecher auf den Pinnerberg, dem Hausberg von Cochem. Nein, wir wandern nicht mehr, es führt nämlich eine Sesselbahn hoch! Oben werden wir von der automatischen Kamera fotografiert und selbstverständlich lassen wir uns das Foto gleich ausdrucken (€ 2.50), der Fotoautomat ist der Renner, viele Touristen scharen sich um das Gerät.
Der eigentliche Aussichtspunkt Pinnerberg ist etwa 100 Meter von der Bergstation entfernt, der Weg dorthin ist verblockt und scharfkantig, aber auch hier wird man mit einer tollen Aussicht belohnt.


Auf dem Rückweg vom Aussichtspunkt zur Bergstation kommen uns doch tatsächlich zwei Vollpfosten entgegen, die meinen, man könne sicher mit dem e-Mountainbike bis nach ganz vorne fahren. Sie merken aber schnell, dass das nicht gut gehen kann und müssen wenden. Das dauert und ist ein Schauspiel für sich …

Beim Einsteigen für die Talabfahrt tauschen wir ein paar Worte aus mit dem Mann, der uns in den Sessel hilft. Ja, wir kämen aus der Schweiz und hätten ein wenig Erfahrung mit Sesselliften, nein, er sei noch nie in der Schweiz gewesen, er sei eigentlich überhaupt noch nie weiter weg gewesen, aber jetzt gehe er dann bald nach Kenia, seine Frau komme von dort, ja, es sei immer nett, mit den Gästen zu plaudern, er wünsche eine gute Talfahrt! Die haben wir auch und unten warten die Koffer, die Dusche und ein feines Nachtessen.
Hoi zäme
Das war wohl die Königsetappe vom Moselsteig! Trotz der Hitzestrapazen habt ihr uns täglich verwöhnt
und wir konnten miterleben was die schöne Gegend bietet. Nicht das selbe wie bei unserer seinerzeitigen Mosel-Schifffahrt. Für die Rückfahrt gute Reise ohne Pannen bei der DB und auf ein baldiges Wiedersehen. Grüsse aus Brugg von Vreni & Fritz