≡ Menu

Heute geniessen wir praktisch einen Ruhetag, denn die Etappe ist knappe fünfzehn Kilometer kurz und führt auf vorwiegend komfortablen Wegen meistens bergab. Ausserdem sind wir für diese Nacht nochmals im gleichen Hotel, so dass auch das morgendliche Packen der Reisetaschen entfällt. Der nette tschechische Hausmeister des Hotels, der uns gestern abgeholt hat, fährt uns wieder zurück nach Hobelsberg/Grainet, diesmal bei strahlendem Wanderwetter. Als ein Hase fünf Meter vor unserem Auto über die Strasse rennt, meint er trocken: «Abendessen».

Solche Ausblicke geniessen die Bewohner Obergrainets

Wir folgen dem Zustieg zurück zum Goldsteig und schaffen es tatsächlich, eine Abzweigung zu verpassen, nachdem wir die Wallfahrtskapelle beim Kohlstattbrunn mitten im Wald bewundert haben. Den Weg zurück zum Goldsteig finden wir aber rasch wieder.

Wie der Name verrät, wurde hier früher geköhlert.

Die nächste Attraktion auf der gemütlichen Waldstrassen-Etappe ist ein weiterer Triftbach: der Osterbachkanal. Vor hundert Jahren wurden hier Baumstämme Richtung Passau befördert. Mit einem ausgeklügelten Kanalsystem schafften die Ingenieure sogar die Überwindung der Wasserscheide, die in dieser Gegend zwischen Donau (Schwarzes Meer) und Moldau (Nordsee) verläuft.

Das Ende ist für uns der Anfang des Osterbachkanals.

Als nächstes möchten wir den Ursprung der Kalten Moldau sehen, der nicht direkt am Goldsteig liegt, aber irgendwie verpassen wir den Abzweiger dazu, schade. Dafür sehen wir im Wald rund 800 Bienenstöcke und fragen uns, ob die vielen Bienen hier auch genügend Nahrung finden.

Bienenstand Bramandlberg

Wir nähern uns Haidmühle, und im Wald wird geholzt wie wild. Zuerst sehen und hören wir zwei Forstarbeiter mit Motorsägen. Später passieren wir ein Team, das mit einem Vollernter zugange ist. Zum Glück ist gerade Mittagspause, so dass wir gefahrlos durchmarschieren können.

Wo ist Christof?

In der Kneippanlage kurz vor Haidmühle vergnügen sich ein Mann und sein Hund, wobei der Hund sichtlich mehr Spass hat. Zur allgemeinen Erheiterung schüttelt er sich danach kräftig direkt vor zwei Frauen, die ihn streicheln wollen.

{ 0 comments }

Wandermässig war das jetzt ein sehr durchschnittlicher Tag. Viel Wald, viele Wolken, viel Wind, wenig Aussicht, einfach etwas eintönig. Aber interessant war’s trotzdem. Wir nehmen am Morgen direkt beim Hotel den Regionalbus, drinnen sitzt eine Gruppe Bayern, alle in schönster Tracht, nicht im billigen Abklatsch, den man bei uns sieht, beim regen Gespräch, bei dem wir nur wenig mitbekommen. Aber schön tönt es. In Mauth wird der Bus mitten auf der Strasse angehalten, denn genau jetzt kommt von links her die Fronleichnams-Prozession. Vorneweg die Dorfmusik, dann die Gläubigen, der Priester mit der Monstranz unter dem Stoffbaldachin, hinterher der Rest der Gemeinde. Weil der Regionalbus mit einer halbdurchsichtigen Werbefolie beklebt ist, verzichten wir auf das Fotografieren.

Beim Café Beer steigen wir aus und wandern los. Auch heute viel Totholz. Dieser Goldsteig ist einfach schlecht gewartet 😉

So kommt man nicht richtig vorwärts

Unter dem Alzenberg kommt es zum ersten Tageshöhepunkt: Wir sind die ganze Vorderseite der zum Leporello gefalteten Wanderkarte abmarschiert, an der Kante angelangt und …

Vorderseite: erledigt

… wenden die Karte!

Ab sofort wandern wir auf der Rückseite

Kurz danach unterqueren wir einen Sessellift des Skigebiets am Almberg. Hier ist alles menschenleer, die Gasthöfe geschlossen, etwas trostlos das Ganze.

Sessellift am Almberg

Der bedeckte Himmel trägt auch nicht zur Stimmungsaufhellung bei, wobei, wir sind froh um die kühle Luft, denn auch hier wird es ab morgen richtig heiss.

Wir wandern talwärts nach Philippsreut, sind uns nicht einig, ob das noch als Kaff oder schon als Ort gelten soll, und steigen auf der anderen Seite gleich wieder hoch, wo unser Elan aber vom lokalen Forstamt gebremst wird. Weil Sonntag ist, umgehen wir Tafel und Bäume und kommen alsbald auf einer Hochebene auf rund 1100 Metern Höhe an, wo uns die Wanderkarte auf die „Wüstung Leopoldsreut“ hinweist.

Umleitung? Sicher nicht.

Hier erinnern einige sehr eindrückliche Tafeln entlang der Waldstrasse an das vor gut 50 Jahren aufgegebene Dorf Leopoldsreut, wo die Leute unter unsäglichen Entbehrungen lebten. Dass es hier auch im Juni zuweilen noch schneite, können wir uns heute überhaupt nicht vorstellen. „Neun Monate Winter und drei Monate kalt“, lesen wir auf einer Tafel. Alle Häuser wurden abgebrochen, und der Wald hat fast alle Spuren getilgt. Wir sind beeindruckt.

Beim ehemaligen Leopoldsreut, im Hintergrund die Informationstafeln

Zum Haidel ist es nur noch einen Katzensprung. Wieder führt der Weg schnurgerade hoch.

Himmelsleiter zum Haidel

Die Karte weist auf gleich zwei Türme hin, den der Deutschen Telekom und den Aussichtsturm Haidel. Den lassen wir uns nicht entgehen, obwohl das Wetter gerade jetzt denkbar schlecht ist; es beginnt zu regnen, Nebel zieht auf und der Wind bläst ordentlich durch Holzkonstruktion. Nach 159 Stufen ist es nicht weit her mit der Aussicht, wir sind froh, dass wir am Horizont knapp den Rachel erkennen.

Keine Aussicht; der Henkeltopf links ist Brige

Also schnell wieder runter. Das Schlussstück führt uns nach Hobelsberg in der Gemeinde Grainet. Dort werden wir extra vom Hotelbus abgeholt, und der tschechische Hausmeister, Chauffeur, Mädchen für alles, unterhält uns bestens auf dem Weg nach Haidmühle. Die fünfzehnminütige Fahrt führt durch eine wunderbare Gegend, wo der Tourismus allerdings seine besten Tage gesehen hat. Viele Hotels und Pensionen hätten Mühe Gäste zu finden, viel stehe leer oder werde umgenutzt, erfahren wir.

Jetzt entspannen wir im heutigen Wellness-Hotel und überlegen uns, ob wir uns eher die „Ziegenbuttercrèmepackung“, die „Schröpfmassage“ oder doch die „Ohrkerzenbehandlung“ leisten sollen. Ah, hier, das ist es: „Anti-Aging für die Beine“!

Meine tollen Ortsnamen heute:
– Hohenröhren
– Hinter-, Mitter- und Vorderfirmiansreut
– Branntweinhäuser

{ 0 comments }

Der achte Wandertag begrüsst uns mit Wind und leichtem Regen. Da die heutige Etappe nicht sehr lang und nicht sehr streng ist, wollen wir sie trotzdem absolvieren. Mit dem Bus fahren wir zurück zur «Waldhausreibe», wo wir den Goldsteig gestern im Eilschritt verlassen haben. Trotz des bedeckten Himmels sind wir nicht die einzigen Wanderer im Bus, aber ganz hoch fahren nur sieben. Als erstes bestaunen wir die Glasarche, ein Symbol für die Natur, für die Glastradition und offene Grenzen.

Die Glasarche steht mitten im Wald

Nun geht es hoch auf den Lusen, und zwar auf einem schnurgeraden Weg, der gegen den Gipfel hin immer steiler wird. «Himmelsleiter» nennt sich die steile Steintreppe passend. Der Lusengipfel ist aussergewöhnlich, er ist nämlich von Granitblöcken übersäht. Sie wurden vom Teufel aufgeschichtet, der darunter Schätze versteckt hat.

Christof im Blockmeer

Oben können wir kurz einen Blick zurück werfen und die Aussicht geniessen. Ich weiss nicht, wie das meteorologisch geht, aber dann kommen von beiden Seiten dicke Wolken, es fängt an zu regnen, und wir sehen nicht mehr weit. Selbstredend ist der Wind dazu auf dem Gipfel recht heftig.

kurzer Blick zurück vom Lusen, bevor die Wolken alles dicht machen

Wir könnten nun im Berggasthof «Lusenschutzhaus» unterhalb des Gipfels einkehren, aber wir beschliessen, weiter abzusteigen, damit wir aus den Regenwolken kommen. Der Weg ist zuerst sehr breit und komfortabel, man kann im Winter zum Lusenschutzhaus aufsteigen. Wir biegen aber bald ab, und nun geht es wieder über Stock und Stein schier endlos durch den Bayerischen Urwald. Die vielen Buchen halten dem Regen recht gut stand, so dass wir nicht sehr nass werden. Nach knapp zwei Stunden erreichen wir die Schutzhütte beim «Tummelplatz», wo wir im Trockenen rasten können.

Zweiblättriges Schattenblümchen

Danach wird das Wetter tatsächlich besser. Der Wind wird zwar stärker, aber dafür reissen die Wolken auf und als wir die Steinbachklause erreichen, kommt die Sonne hervor. Wir folgen nun dem Steinbach, der selbstverständlich früher als Triftbach diente. Der Weg ist total schön mit vielen verschiedenen Pflanzen und Pilzen, aber ein Baum wirft einen dürren Ast nach uns. Als wir Mauth erreichen, ist es recht stürmisch geworden. Wir vertreiben uns die Zeit, bis der Igelbus fährt, mit Kaffee und riesigen Tortenstücken.

der gemeine Schwefelporling

{ 1 comment }

Goldsteig Etappe 7 – von Spiegelau nach Altschönau

Heute Morgen ist wie gestern Abend, einfach umgekehrt. Also mit dem Regionalbus in 15 Minuten hoch zur Haltestelle Gfäll, mitten im Wald. Der Bus ist voll bis auf den letzten Platz, alles Wanderer. Wir legen los und steigen zügig hoch zur Waldschmidthütte, wo wir gestern die Tagesetappe offiziell beendet haben. Vorbei an der Hütte und gleich ganz hoch zum Grossen Rachel, dem höchsten Punkt heute und mit 1452 Metern Höhe dem zweithöchsten Punkt im Bayerischen Wald. Zu unserer Überraschung sind wir völlig alleine und geniessen die Sicht in alle Richtungen.

Auf dem Grossen Rachel

Kleine Rucksäcke auf dem Grossen Rachel

Auf dem Abstieg auf der Rückseite des Rachels kommen uns die ersten Wanderer entgegen. Noch immer weiss ich nicht genau, wann der Bayer mit „Servus“, „Grüss Gott“, „Grüsst’s euch“ oder einfach „Hallo“ grüsst. Also kombiniere ich „Servus, Grüss Gott“.

Am Fuss des Grossen Rachels rasten wir beim gleichnamigen See und haben alsbald Besuch von einem hungrigen Gast. Der Rachelsee ist sagenumwoben, allerlei verwunschene Seelen sollen hier hausen, vom Bade wird abgeraten: „Erforschst du mich, verschling ich dich!“, weiss die Info-Tafel beim Sitzbänklein.

Rachelsee von oben

Rachelsee von unten

Hungriger Gast

Die nächsten Stunden sind ziemlich langweilig. Der Weg führt entlang der Höhenlinie mehr oder weniger aussichtslos durch den Wald, der wahlweise aus immer gleich hohen Buchen oder Fichten besteht. Aber das Teufelsloch bietet eine spektakuläre Abwechslung: ein tiefer steiler Einschnitt mit riesigen Granitblöcken und einen tief liegenden Wasserlauf, den man nur erahnen kann. Auch hier hausen angeblich ungeheure Wesen, die ungebetene Gäste mit glühenden Tannzapfen bewerfen. Also weiter …

Im Teufelsloch

Brige und das Teufelsloch

Von hier bis zur „Gläsernen Arche“ dauert es gemäss Wegweiser eine halbe Stunde und dann nochmals eine Viertelstunde bis zur Bushaltestelle „Waldhausreibe“. Ich blicke auf die Uhr; 35 Minuten bis zur nächsten Abfahrt, und der Bus fährt nur einmal stündlich. Und Gewitterwolken ziehen auch noch auf.

Gewitterwolken

Also drücken wir nochmals kräftig auf die bald leere Tube. Noch immer kommen uns Wanderer entgegen, „Servus, Grüss Gott“. Der Weg zur „Gläsernen Arche“ führt über einen schnurgeraden Bohlenpfad, da können wir nochmals richtig ausschreiten!

Bohlenbahn – Rennbahn

Es reicht. Es reicht sogar gut. Wieder wird der Bus voll. Der Chauffeur fährt bergab, als ob ihm alle Rachelgeister im Nacken sässen, wir müssen uns zwischendurch an den Sitzen festhalten und unsere Haltestelle verpasst er beinahe. Das Hotel befindet sich am anderen Ende des langgezogenen Dorfes, so kommen nochmals einige Schritte dazu. Das Gepäck ist hier, das Zimmer noch nicht fertig, also gibt es erstmal Kaffee und Kuchen auf der Terrasse.

Das Zimmer ist jetzt fertig. Wir begreifen erst auf dem Weg zum Zimmer, was das bedeutet. Das Zimmer wurde eben erst fertiggestellt, wir sind nämlich im Neubau im zweiten Stock, und wir sind die allerersten Gäste im Musterzimmer. In der unmittelbaren Umgebung sieht es auch entsprechend aus, und die Handwerker sind noch am Arbeiten. Das Zimmer selber ist tipptop, grosszügig, da halten wir es gut zwei Nächte aus.

In unserem Gang – es werde Licht

Auf unserem Balkon, Blick nach hinten

„Der Außenpool lädt Sie Anfang Juli zum Baden und Entspannen ein.“

Blick auf Altschönau

{ 0 comments }

Die Wetterprognose droht heute Nachmittag mit heftigen Gewittern, so dass man sich fast schier fragt, ob eine Bergwanderung sinnvoll ist. Aber das Wetter ist brav, und es bleibt bei der Bewölkung, die uns willkommen ist, denn es geht gleich schweisstreibend los mit einem vier Kilometer langen Anstieg von Buchenau zurück zum Lindbergschachten, wo wir den Goldsteig gestern verlassen haben.

Einfach schön, diese Schachten

Die heutige Etappe gilt als eine der schönsten im Bayerischen Wald, und tatsächlich lässt sie kaum Wünsche offen. Es ist der Tag der Schachten und Filze. Schachten sind ehemalige Waldweiden und Filze sind Hochmoore. Durch die Filze führen vorwiegend komfortable Bohlensteige. Wir befinden uns heute wieder ganz nahe an Tschechien, auf dem Grenzkamm zu Böhmen.

Wir sind total im Filz

Obwohl heute Fronleichnam ist, also Feiertag, sind nicht allzu viele Wanderer und Mountainbiker unterwegs. Nach dem Latschensee (ein etwas grösserer Tümpel im Latschenfilz) rasten wir das erste Mal. Auf der Bankgarnitur haben sich viele Stinkwanzen niedergelassen, die sich sehr für unsere Rucksäcke interessieren. Ich kann das Sandwich nur halbwegs geniessen, da ich immer ein Auge auf die Käfer halten muss. Ein kühler Wind bläst, und einige Tropfen fallen aus der dicken Wolke über uns, so dass wir tatsächlich für den nächsten Wanderabschnitt unsere Windjacken anziehen.

Wo geht es hier zum Grossen Rachel?

Die ziehen wir aber vor dem letzten Anstieg Richtung Grosser Rachel wieder aus. Der hat es in sich! Der Pfad führt mitten durch den vom Windfall, sauren Regen und Borkenkäfern verwüsteten Urwald. Es ist steil und mutet alpin an, einmal hat es sogar ein Seil und zweimal eine Holztreppe, Trittsicherheit und Kondition sind gefragt. Die Kamera habe ich in den Rucksack gepackt, damit sie mir beim Hochracheln nicht im Weg ist.

Hier entlang!

Unsere heutige Etappe führt uns aber nicht ganz auf den Gipfel, sondern nur bis zum Waldschmidthaus, einem Bergrestaurant knapp unterhalb. Dort haben sich einige Wanderer eingefunden. Wir gönnen uns eine kurze Rast, bevor wir hinabsteigen zum «Gfäll», wo wir mit dem Igelbus nach Spiegelau fahren, wo wir heute nächtigen. Die nette Wirtin vom Gasthof Genosko verwöhnt uns mit Eiskaffee, obwohl sie eigentlich noch geschlossen hat. Auch der Glaspavillon ist zu. Schade, wir hätten uns gerne mit einer neuen Weingläsergarnitur eingedeckt. 😉

{ 0 comments }

Ich bin froh, dass wir das Gasthaus und mit ihm die saure Milch im Kaffee, die völlig verkalkte Duschbrause, den schneeigen TV-Empfang, das abgestürzte Internet und den lieblosen Service hinter uns lassen können. Es kann nur aufwärts gehen! Etwa hoch auf den Grossen Falkenstein. Die Tafel zu Beginn warnt uns, dass der Wald nur aus drei Baumsorten bestehe: Buche, Tanne, Fichte. Die sechshundert Höhenmeter bringen wir zügig hinter uns, der Weg steigt schön regelmässig an. Wie fast überall in den letzten Tagen stösst man auf viel Totholz im Wald.

Totholz

Totholz (II)

Auf dem Abstecher zum Falkenstein durchqueren wir ein weiteres Gebiet, das der Orkan Kyrill im Jahr 2007 verwüstet hat. Überall ragen Baumstümpfe aus dem Unterholz, es sieht ziemlich unwirtlich aus.

Der Orkan Kyrill hat 2007 seine Spuren hinterlassen

Und so sieht das aus der Ferne aus: Überall Schneisen

Vom Grossen Falkenstein aus sieht man heute nicht so weit, es ist sehr dunstig, das Wetter schwül, der Himmel bewölkt. Wir sind auch bereits wieder schweissgebadet.

Brige auf dem Grossen Falkenstein

Grosser Falkenstein

Der Goldsteig führt nun auf der Höhe durch verschiedene „Schachten“, das sind frühere Hochwaldweiden, grosse gerodete Flächen mitten im Wald, die im 17. Jahrhundert bis Ende 19. Jahrhundert genutzt wurden und durch „Filze“, so nennt man hier die Hochmoorgebiete. Die Schachten sind unglaublich schön, Gräser, Sträucher und Krüppelbäume, weite Heidelbeerfelder – ein Traum.

Schöner Schachten

Schachten am Scheuereckberg

Klar, dass wir in einem Schachten rasten; nicht ohne Besucher …

Ein stattlicher Bockkäfer

Beim Abstieg vom Schachten am Scheuereckberg bleibt Brige, die ein paar Schritte vor mir läuft, plötzlich wie angewurzelt stehen. „Dort, ich glaube, das ist ein Luchs!“ Als ich aufschliesse, sehe ich nichts. „Er ist weg!“. Wir gehen ein paar Schritte weiter und spähen nochmals ins Gehölz. Jetzt sehe ich ihn auch! Der Luchs starrt uns an, regungslos. Ich halte den Atem an und ziehe die Kamera aus dem Etui. Hoffentlich verschwindet das Tier nicht. Der Luchs bewegt die Ohren, ich nur den Zeigfinger an der Kamera. Dann wendet er sich ab, blickt nochmals zurück und verschwindet. Wir sind beide sehr beeindruckt vom eben Erlebten.

Was ist denn das?

Tatsächlich: Ein Luchs

Der Weg führt schön entlang der Höhenlinie. Von der tschechischen Seite her türmen sich mächtige dunkle Gewitterwolken, es beginnt kühl zu winden und unsere Schritte werden schneller. Bei der Diensthütte (die heisst wirklich so) am Rand des Lindberg-Schachten verdrücken wir schnell das zweite Sandwich, trinken etwas und durchqueren dann den Schachten.

Der Lindberg-Schachten

Dicke Tropfen fallen, also Jacke raus und Schutzhülle über den Rucksack. Am unteren Ende des Schachten steht der Wegweiser, auf den wir schon im 14-seitigen Reiseprogramm mit Bild und Text hingewiesen worden sind: „Hier nun aufpassen!“. Also passen wir auf und nehmen den richtigen Abzweiger weg vom Goldsteig ins Tal hinunter nach Buchenau. Die letzten drei Kilometer bringen wir im Wetterwechsel von leichtem Regen, Sonnenschein, Donnergrollen über uns und Wind hinter uns.

In Buchenau werden wir im Gasthaus „Zur alten Dampfsäge“ herzlich empfangen. Das Beste: gleich nebenan steht ein Ableger der Brauerei Hutthurm. Auch heute werden wir nicht verdursten.

Also mir hat’s heute gut gefallen!

{ 2 comments }

Heute geht es praktisch nur bergab. Das heisst, zuerst müssen wir zurück auf den Grossen Arber. Das klappt wie am Schnürchen: mit dem Bus zur Talstation und dann in der Gondel des Ministerpräsidenten hinauf (also eigentlich hatten wir nur die schnöde von Audi gesponserte Gondel).

Darin gondelten wir nicht.

Nun geht es gleich ruppig weiter, wie es gestern aufgehört hat, nämlich in der Kategorie «steiler steiniger Weg». Erst als wir uns dem Grossen Arbersee nähern, wird der Weg komfortabel. Kein Wunder, denn hier gibt es einen grossen Parkplatz, ein grosses Restaurant, grosse Pedalos zum Mieten und flache Spazierweg rund um den hübschen See. Wir trinken einen Kaffee und ein Wasser, die strahlende Sonne hat uns bereits durstig gemacht.

Links ein Kanal, rechts der Grosse Regen und vorne eine Schleuse.

Wir folgen nun dem Abfluss des Grossen Arbersees, dem Geigenbach, bis zur Mündung – der Seebachschleife – in den Grossen Regen, und diesem dann bis nach Bayerisch Eisenstein, das wir ja bereits von gestern kennen. Der Weg ist angenehm schattig und folgt erst erst einem Kanal und schlängelt sich dann dem kleinen Fluss entlang, es sieht aus wie bei uns im Auengebiet. Erfreulicherweise werden wir weder von Mücken noch von Bremsen belästigt.

Das berühmte Eisensteiner Bahnmuseum

In Eisenstein gibt es ein offenbar sehenswertes Localbahnmuseum, aber unsere Begeisterung hält sich in Grenzen, und wir lassen es links liegen. Wir werfen nur einen Blick aus der Ferne auf den Grenzbahnhof, der halb in Bayern und halb in Tschechien steht.

Wir sind froh, dass auch der Rest unserer heutigen Etappe im Wald verläuft, denn es ist wieder drückend heiss geworden. Sogar die Vögel haben aufgehört zu singen. Wir treffen aber immer wieder auf Wanderer, vor allem in der Nähe des Schwellhäusls, einer Trifter-Klause, die heute ein Restaurant mit schönem Biergarten beherbergt. Da wir gerade erst Sandwiches gegessen haben, wandern wir mit vielen anderen Gästen weiter dem Triftbach entlang, einem kleinen Kanal, der früher zum Holztransport genutzt wurde. Man hat richtig Lust, barfuss darin zu laufen, und einige Kinder machen das auch.

Der Triftbach lädt zum Kneippen

Unser Etappenort Zwieseler Waldhaus ist eine kleine Ferienhaussiedlung auf einer Waldlichtung. In unserem Gasthof mit dem gleichen Namen hat am 10. August 1918 angeblich Berthold Brecht übernachtet. Vielleicht in unserem Zimmer. Die Duschbrause ist jedenfalls so verstopft, als wäre sie seither nicht mehr entkalkt worden. Aber sonst ist alles in Ordnung, insbesondere der Biergarten, wo wir alsbald beim Dampfbier sitzen.

{ 2 comments }